Vatertag
Väter prägen

Vom ersten Halten bis zum Loslassen – Vaterliebe verändert sich, aber sie bleibt. | Foto: Symbolfoto iStock
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  • Vom ersten Halten bis zum Loslassen – Vaterliebe verändert sich, aber sie bleibt.
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Zum Vatertag haben wir mehrere Väter mit unterschiedlichen Lebensgeschichten um ihren Blick auf das Vatersein gebeten.


Dass etwas Gutes entsteht


Ich präge als Vater mit meiner Gesamtheit als Mensch, der ich bin, mit allen Stärken und Schwächen. Gerade in den ersten drei bis vier Lebensjahren sind mir viel Präsenz und Verlässlichkeit wichtig, weil die Kinder hier Fundamentales wie Urvertrauen, Bindungsfähigkeit, Selbstbild und Selbstregulation entwickeln. Ich arbeite Teilzeit und bin dienstags immer alleine für unsere Kinder zuständig. So habe ich mehr Zeit, um den Kindern im Alltag ganz nebenbei viel mitzugeben: Wofür nehmen wir uns Zeit, wie erkläre ich ihnen, was rund um uns passiert, wie gehe ich auf ihre Ideen und Sichtweisen ein, wie gehe ich mit Emotionen oder Überforderung um, wie gehe ich mit meinem Smartphone um ...? Wichtig bei alldem sind für mich ein gutes Maß an Selbstreflexion und das Vertrauen, dass mit meiner Mixtur aus Stärken und Schwächen Gutes entstehen kann.

Von seiner Gesamtheit als Mensch
Mein Vater hat viele meiner Interessen entscheidend geprägt oder mitgeprägt: Technik, Musik, Segeln und eine gewisse Verbindung zur Natur. Außerdem habe ich von ihm ein starkes Qualitätsbewusstsein, kritisches Denken sowie das Erforschen von Hintergründen und systemischen Zusammenhängen mitbekommen. Hohe Leistungsansprüche und Perfektionismus sind für mich zweischneidig und ich versuche, meine Prägung in gute Bahnen zu lenken. Aktiv vermittelt hat er mir einen hohen Stellenwert von Familie und von Religion. Wenn ich jetzt auf mein Leben schaue, kann ich sagen: Fast alle Lebensbereiche sind entscheidend von ihm beeinflusst worden – und zwar von seiner Gesamtheit als Mensch, der er ist.

Zum Vertrauen zurückfinden
Wenn abends beide Kinder eingeschlafen sind, schaue ich sie manchmal noch an, und oft überkommt mich dann eine tiefe Sehnsucht für sie und ihr Leben. Ich wünsche ihnen, dass sie ihr Leben bewusst erleben und sie den Mut haben, es zu gestalten; dass sie das Gute dankbar sehen können und glücklich sind – aber auch, dass sie dem Schwierigen begegnen und das Beste daraus machen können. Ich wünsche ihnen einen guten Bezug zu sich selbst, zur Natur und zu ein paar guten Freunden. Aus meiner eigenen Erfahrung heraus wünsche ich ihnen einen Zugang zu Spiritualität und einen guten Umgang mit Religion. Am meisten wünsche ich ihnen, dass sie immer zum Vertrauen zurückfinden, dass alles gut wird.

Wolfgang Hrauda, 36 Jahre, ist Vater von zwei Pflegekindern (2 und 3 Jahre alt), einem Baby im Bauch und zwei Sternenkindern.

Foto: Symbolfoto iStock


Wünsche an unsere Kinder


In der Justizanstalt Graz-Karlau treffen sich Inhaftierte regelmäßig in der Gruppe „Väter in Haft“, um sich über das Vater-Sein auszutauschen. Der Psychologe Benjamin Gründl und der Sozialarbeiter Matthias Ohner haben die folgenden Aussagen von inhaftierten Vätern zusammengetragen und mit deren Einverständnis zur Verfügung gestellt.

Zufriedenheit und Glück
Für mein Kind wünsche ich mir, dass es im Leben glücklich ist. Wer glücklich ist, dem kann kein Unglück etwas anhaben, wie etwa Krankheit, der Tod eines dir nahestehenden Menschens oder die Tatsache, dass du im Knast sitzt. Wer glücklich und zufrieden ist, der kann mit dem, was im Leben daherkommt, umgehen. Das wünsche ich ihm.

Seelische Gesundheit
Ich wünsche mir für meine Kinder Gesundheit – physische und psychische. Und wenn ich mich entscheiden müsste für eines von beiden, dann würde ich mir psychische Gesundheit wünschen, denn: Wer seelisch gesund ist, hat auch Widerstandsfähigkeit, Resilienz. Und wer resilient ist, kommt auch darüber hinweg, dass der Körper vielleicht gerade nicht gesund ist, alt oder gebrechlich. Körperlich Kranke können ein gutes Leben haben, wenn sie seelisch gesund sind. Deshalb wünsche ich meinen Kindern psychische Gesundheit.

Leben in Freiheit
Ich wünsche mir, dass mein Kind ein haftfreies Leben führen kann. Also ein Leben ohne Haft, ein straffreies Leben – wobei: Früher oder später wird es vermutlich eine Strafe ausfassen – auch, wenn es dafür nicht hinter Gittern landet. Zum Beispiel: Wer zu wenig lernt, wird in der Schule mit schlechten Noten bestraft. Oder wer frech war, wird vielleicht mit Handyverbot bestraft. Bestrafung ist ein Teil des Lebens. Insofern wünsche ich mir für mein Kind, dass es aus seinen Fehlern und Bestrafungen lernt, damit es ein haftfreies Leben führen kann. Es soll gute Freundschaften haben und in Freiheit leben können.

Als Vater angefragt werden
Ich wünsche meinem Kind, dass es sich immer getraut, mich um Rat zu fragen – egal, in welcher Situation. Es soll sich niemals schämen müssen, mit einer Frage zu mir zu kommen, sondern es soll immer das Gefühl haben, jedes Anliegen an mich heranzutragen. Auch für mich wünsche ich, dass mein Kind mich um Rat fragt. Denn das würde mir das Gefühl geben, dass ich als Vater angenommen bin.

Mitglieder der Gruppe „Väter in Haft“


Herkunft und Zukunft


Rudolf Prattes, geb. 1939, ist Diakon in der Diözese Graz-Seckau. Er wuchs mit neun Geschwistern auf und ist selbst Vater von neun Kindern. Was er von seinem Vater übernommen hat und was er als Vater anders macht, erzählte er im Gespräch.

Mein Vater war Bauer und Bürgermeister und hat mich durch sein Engagement für die Gemeinde stark geprägt. Für uns Kinder war er eine natürliche Autorität, hat für uns materiell gesorgt und die Kinder-erziehung an unsere Mutter übergeben – das ist in vielen Familien wohl noch heute so. Als Vater hatte ich ihn nicht lange. Er starb, als ich zwölf Jahre alt war.

Bestimmt habe ich von meinem Vater im eigenen Vatersein einiges übernommen. Manches aber habe ich bewusst anders gemacht. In meiner Freizeit etwa stand die Familie für mich immer im Vordergrund. Ich hatte keine Hobbys, sondern verwirklichte mich in meiner Vaterrolle. Die Zeit, in der ich nicht beruflich tätig war, galt klar meiner Familie. Auch, wenn wir uns kostspielige Urlaube nicht leisten konnten, so haben wir doch viel zusammen unternommen. Beim Berggehen haben einst meine Frau und ich uns kennengelernt; später sind wir mit den Kindern viel gewandert oder waren im Sommer schwimmen. Schifahren waren wir so gut wie nie, aber viermal fuhren wir als Familie sogar eine Woche lang ans Meer.

Begegnung stärkt
Als Vater war ich nahbarer als mein eigener Vater für mich. In meiner Familie gehen wir offen miteinander um, Geheimnisse gibt es nicht. Denke ich heute an das Vatersein, fällt mir oft dieser Spruch ein: „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“ Wenn ich früher alleine mit unseren Kindern unterwegs war, beim Spazierengehen oder im Park, hörte ich manchmal Vorbeigehende sagen, dass es unverantwortlich sei, so viele Kinder zu haben. Meine Frau und ich sahen das klar anders. Für mich war und ist das Leben mit Kindern unbezahlbar schön und unvorstellbar erfüllend, und ich möchte keine Stunde mit meiner Familie missen.
Den Vätern heute wünsche ich, dass sie gestärkt werden durch andere Menschen, und nicht durch Internet und Soziale Medien. Was mich schmerzt, ist, wenn Väter ihre Familien verlassen, um den eigenen Bedürfnissen zu folgen. Hingegen kann das Engagement für andere – etwa in Sozialeinrichtungen – die eigene Einstellung zum Leben prägen und wichtige Impulse für ein Leben mit Kindern geben. Echte Begegnungen stärken! Ich wünsche allen Vätern, dass sie sich für ihre Kinder engagieren und sie ihre Liebe spüren lassen.

Diakon Rudolf Prattes (87 Jahre)

Foto: Symbolfoto iStock

Vom ersten Halten bis zum Loslassen – Vaterliebe verändert sich, aber sie bleibt. | Foto: Symbolfoto iStock
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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