Papstwahl
Leo XIV.: Der erste Papst aus den USA

Papst Franziskus stellt sich am 8. Mai der Weltöffentlichkeit als Leo XIV. vor. | Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
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Am zweiten Tag des Konklaves wählten die Kardinäle am Nachmittag des 8. Mai im vierten Wahlgang Kardinal Robert Prevost (69) an die Spitze der Weltkirche. Der 267. Papst der Kirchengeschichte nahm den Namen Leo XIV. an. Prevost ist US-Amerikaner und besitzt auch die peruanische Staatsbürgerschaft.

Habemus Papam“ – wir haben einen Papst – verkündete der französische Kardinal-Protodiakon Dominique Mamberti am 8. Mai um 19.13 Uhr vor mehr als 100.000 jubelnden Gläubigen, die sich auf dem Petersplatz und in der angrenzenden Via della Conciliazione versammelt hatten. Dann nannte er den Geburtsnamen des neuen Papstes Robert Francis Prevost und den Namen Leo XIV.

Papst Leo XIV. bei seiner Ankunft zu einem Treffen mit Vertretern der Medien am 12. Mai in der Audienzhalle im Vatikan. 
 | Foto: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA
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„Der Friede sei mit euch“ – mit diesen Worten begrüßte der neue Papst die jubelnden Menschen auf dem Petersplatz. Auf Italienisch sagte er: „Auch ich möchte, dass dieser Friedensgruß in eure Herzen eindringt, eure Familien erreicht, alle Menschen, wo auch immer sie seien, alle Völker, die ganze Erde.“ Der Friede Christi sei „ein unbewaffneter und entwaffnender Friede.“

Erster US-Bürger und erster Peruaner auf Stuhl Petri

Papst Leo XIV. ist ein Mann der Weltkirche. Das wird auch daran deutlich, dass er drei Staatsbürgerschaften besitzt. In der US-Metropole Chicago geboren, hat der 69-Jährige seit seiner Geburt die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Nach Jahren in der Mission wurde Prevost 2015 zum Bischof der Diözese Chiclayo ernannt. Seit diesem Zeitpunkt hat er auch die peruanische Staatsbürgerschaft. Er ist der erste Staatsbürger der USA und der erste Staatsbürger Perus, der zum Papst gewählt wurde.

Übrigens kommt Prevost selbst aus einer internationalen Familie: Sein Vater, Louis Marius Prevost, ist französischer und italienischer Abstammung, seine Mutter, Mildred Martínez, hat spanische Wurzeln. Die Großeltern des Papstes mütterlicherseits stammen aus Haiti und sind angeblich kreolischer Abstammung. Damit wäre Leo XIV. der erste Papst seit 1.500 Jahren mit afrikanischen Wurzeln.

Der Papst trifft nach seiner Wahl auf Gläubige | Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
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Der neue Papst ist nicht nur Theologe und Kirchenrechtler – sondern auch Mathematiker! Dass er sprachlich versiert ist, wurde schon bei seiner ersten Ansprache deutlich. Diese trug Leo XIV. auf Italienisch vor – und wechselte dann ins Spanische, um die Gläubigen aus seiner ehemaligen peruanischen Diözese Chiclayo zu grüßen. Zu Beginn seiner Ansprache hatte er sich zuvor auf Englisch an die Kardinäle gewandt. Neben diesen drei Sprachen soll Leo XIV. außerdem Portugiesisch und Französisch beherrschen und in der Lage sein, Latein und Deutsch zu lesen. Selbst die indigene Sprache Ketschua soll er gelernt haben.

„Ich will mich im Amt klein machen, um Christus in den Vordergrund zu stellen.“

Wie sein Vorgänger ist auch Papst Leo XIV. ein Ordensmann. Er ist der erste Augustiner auf dem Stuhl Petri. Von 2001 bis 2013 war er Generalprior des Augustinerordens in Rom, bevor er 2015 Bischof von Chiclayo (Peru) wurde. Im Jänner 2023 wurde Prevost Leiter der Bischofsbehörde und erst im September 2023 wurde er zum Kardinal ernannt.

Seinen ersten Gottesdienst als Papst feierte er mit den Kardinälen in der Sixtinischen Kapelle. Dabei beklagte Leo XIV. die „dramatischen Begleiterscheinungen“ eines Mangels an Glauben. Jeder Einzelne sei aufgefordert, wie Papst Franziskus es oft gelehrt habe, den freudigen Glauben an Christus zu bezeugen, bekräftigte Leo XIV. Das gelte auch für die Kirche insgesamt. Er selbst wolle als Papst als treuer Verwalter die Kirche immer mehr zu einer Stadt auf dem Berg machen, „zu einer rettenden Arche, die durch die Wogen der Geschichte steuert, zu einem Leuchtturm, der die Nächte der Welt erhellt“, so Leo XIV. Dabei wolle er sich selbst im Amt klein machen, um Christus in den Vordergrund zu stellen, so Leo XIV. Alle, die in der Kirche ein Leitungsamt ausüben, seien dazu gehalten, „zu verschwinden, damit Christus bleibt, sich klein zu machen, damit er erkannt und verherrlicht wird, sich ganz und gar dafür einzusetzen, dass niemandem die Möglichkeit fehlt, ihn zu erkennen und zu lieben“.

Den Weg Franziskus‘ weitergehen

Bei einem ausführlichen Austausch mit dem Kardinalskollegium am Tag darauf bekräftigte Leo XIV., dass er den Weg seines Vorgängers weitergehen wolle. Mehrfach berief er sich dabei auf Papst Franziskus, auf dessen Apostolisches Schreiben „Evangelii gaudium“ und das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965). In den Fokus stellte er die Synodalität, Missionsarbeit, Kollegialität und den Blick auf die Ränder der Gesellschaft.

Bei seinem ersten Mittagsgebet am Sonntag, 11. Mai, auf dem Petersplatz rief der Papst zu Frieden in der Ukraine, im Gazastreifen und weltweit auf. „Nie wieder Krieg“, rief das neue Kirchenoberhaupt. Er erinnerte an die Leiden des Zweiten Weltkriegs und dessen Ende vor 80 Jahren. Noch in den ersten Tagen als neuer Papst telefonierte Leo XIV. mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Dieser dankte dem Papst für seine Unterstützung und lud ihn in sein Land ein.

Papst Leo XIV. beim Grab von Papst Franziskus | Foto: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA
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Dass Leo XIV. ein Papst wird, der hinausgeht, offenbarte sich schon in seinen ersten Amtstagen: Wenige Stunden nach seiner Wahl zeigte sich das neue Kirchenoberhaupt im Innenhof des Palazzo del Sant’Uffizio, wo er seit seiner Ernennung zum Kardinal gewohnt hatte. Der Palast liegt außerhalb des derzeit streng bewachten Vatikans auf italienischem Staatsgebiet, aber in unmittelbarer Nähe zum Petersplatz. Dort bedankte sich Leo XIV. beim Personal, ließ sich mit Gläubigen fotografieren und erteilte am Ende allen einen einfachen Segen. Am Wochenende nach seiner Wahl besuchte er das Grab seines Vorgängers in Santa Maria Maggiore, machte eine Stippvisite in der Wallfahrtskirche der Mutter vom Guten Rat im römischen Umland. An der Kirche in Genazzano wurde er von Mitgliedern des angeschlossenen Augustinerklosters empfangen. Die Straßen waren gesäumt mit Menschen, die das neue Kirchenoberhaupt begrüßen wollten.

Der frischgewählte Papst Leo XIV. wird am 18. Mai offiziell als Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche in sein Amt eingeführt. Der feierliche Gottesdienst soll um 10 Uhr auf dem Petersplatz stattfinden. Wie bei seinen Vorgängern dürften mehrere Dutzend Staats- und Regierungschefs sowie Hunderttausende Pilger und Touristen aus aller Welt anreisen.

Leo XIV.: Sein Leben bis zur Papstwahl

14. 9. 1955: Robert Francis Prevost wird in Chicago in eine Familie mit französischen, italienischen und mütterlicherseits auch kreolischen Wurzeln hineingeboren. Der Sohn eines Schulleiters und einer Bibliothekarin ist der jüngste von drei Brüdern. Er absolviert ein Studium der Mathematik und Philosophie.

1977: Eintritt in den Augustinerorden, Studium des Kirchenrechts.

1981: Ewige Ordensgelübde

1982: Priesterweihe

1985 bis 1987: Erster Peru-Aufenthalt in der Gebietsprälatur Chulucanas.

1988 bis 1998: Leiter eines Ausbildungsprojekts für Ordensanwärter in der Erzdiözese Trujillo/Peru; zudem Professor für Kirchenrecht.

1998 bis 2001: Provinzialoberer der Augustiner in Peru.

2001 bis 2013: Generalprior des Augustinerordens in Rom.

November 2014: Prevost wird Interimsverwalter des Bistums Chiclayo in Peru.

September 2015: Bischof von Chiclayo; kurz zuvor erhält Prevost zusätzlich zur US-Staatsbürgerschaft die peruanische. Später wird er zweiter Vize-Vorsitzender der Peruanischen Bischofskonferenz.

Jänner 2023: Franziskus macht Prevost zum Leiter der Bischofsbehörde. In dieser Funktion ist er zuständig für einen Großteil der Bischofsernennungen weltweit. Zudem ist Prevost Präsident der Päpstlichen Lateinamerika-Kommission. Er wohnte seither in der Generalkurie seines Ordens, in nächster Nähe zum Vatikan.

September 2023:
Kardinalernennung

Papst Franziskus stellt sich am 8. Mai der Weltöffentlichkeit als Leo XIV. vor. | Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
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Papst Leo XIV. beim Grab von Papst Franziskus | Foto: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA
Der Papst trifft nach seiner Wahl auf Gläubige | Foto: Vatican Media/Romano Siciliani/KNA
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Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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