Oft fehlen Angebote in den Pfarren
Firmung - und was dann?

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Viele Pfarren stehen dabei vor einem strukturellen Problem: Die Firmung ist oft gut organisiert, weil sie ein klarer „Pflichtpunkt“ im kirchlichen Lebenslauf ist. Danach fehlt aber häufig ein überzeugendes Konzept, wie junge Menschen freiwillig bleiben wollen. Das hat mehrere Ursachen.

„Diese Frage beschäftigt uns in der Pfarre Gars/Kamp ebenfalls schon seit längerer Zeit“, erzählt etwa Victor Greutter, Helfer in der Pastoral im Pfarrverband. Nicht selten habe das Firm-Team das Gefühl, „dass Jugendliche bei uns eine zwar abwechslungsreiche Firmvorbereitung erleben können, in die wir viel Zeit, Herzblut und Kreativität investieren, mit dem Firmgottesdienst selbst allerdings der gemeinsame Weg endet“, so Greutter.

Dabei beginne für viele Jugendliche gerade in diesem Alter die eigentliche Suche nach ihrer eigenen Spiritualität. Die Frage sei daher nicht, „wie wir Jugendliche bis zur Firmung begleiten, sondern wie wir ihnen danach weiterhin Räume anbieten können, in denen Glaube und Leben miteinander in Berührung kommen“, so Greutter.

Die Logik der Firmvorbereitung ist meist schulisch. Viele Jugendliche erleben die Firmung als: Kurs, Termine abhaken, Sozialprojekt, Feier – fertig. Danach gibt es keinen „natürlichen Übergang“ ins Pfarrleben mehr. Die Pfarre erwartet manchmal implizit: „Jetzt engagiert euch halt.“ Aber Jugendliche brauchen einen neuen Einstieg — nicht bloß eine Fortsetzung des Unterrichts.

Es fehlen junge Bezugspersonen

In vielen Pfarren tragen Menschen über 50 oder 60 die Jugendarbeit mit großem Einsatz. Aber: Jugendliche suchen Gleichaltrige oder junge Erwachsene, sie wollen authentische Vorbilder und Räume, wo ihre Sprache und Kultur vorkommen. Wenn kaum junge Leiterinnen und Leiter da sind, entsteht schnell das Gefühl: „Das ist nicht meine Welt.“ Vor Jahren war die Pfarre ein sozialer Mittelpunkt. Heute gibt es viele Anbieter für die Freizeit: Sport, Gaming, Streaming, Freundeskreise, Social Media, Festivals, politisches Engagement; dazu kommt Lern- und Leistungsdruck. Ein Angebot muss heute wirklich relevant und emotional ansprechend sein, damit Jugendliche freiwillig Zeit investieren.

Kirche eines von vielen Angeboten

„Jetzt gerade haben wir mit unserer Firmgruppe ein gemütliches Grillen mit anschließender Mutprobe am Friedhof in Markt Ardagger“, berichtet die Pastoralassistentin des Pfarrverbandes Ardagger, Andrea Mühlberghuber, die ihr „tolles Firmteam“ lobt. „Auch in den anderen Pfarren des Pfarrverbands Ardagger versuchen wir, die Jugendlichen durch Aktivitäten wie Lektorendienst, Sternsingen, Ratschen oder Chor dabei zu haben. Manche werden Jungscharleitende. „Eine Katholische Jugend (KJ) hat Ardagger leider gerade nicht, weil andere Organisationen derzeit auch starke Jugendarbeit machen“, erzählt Mühlberghuber. Ähnlich ergeht es vielen anderen Pfarren.

Angst vor Kontrollverlust

Manche Pfarren wünschen sich Jugendangebote — aber nur solange alles ruhig bleibt, liturgisch vertraut wirkt, keine Konflikte entstehen, Jugendliche nicht „zu laut“, „zu politisch“ oder „zu modern“ werden. Jugendarbeit funktioniert aber meist nur, wenn Jugendliche echten Gestaltungsspielraum bekommen.

Jugendliche suchen Gemeinschaft

Viele kirchliche Angebote sind programmorientiert: Vortrag, Gruppenstunde, Thema des Abends. Jugendliche bleiben aber meistens wegen Freundschaften, Zugehörigkeit, echter Offenheit, gemeinsamen Erlebnissen, emotionaler Sicherheit. Dafür braucht es Zeit, Kontinuität und Menschen, die präsent sind — nicht nur Termine.

Die Sprache passt oft nicht mehr

Kirchliche Sprache wirkt auf viele Jugendliche nicht selten abstrakt, moralisch, lebensfern, vorsichtig formuliert. Wenn Jugendliche ihre Fragen zu Beziehung, Sinn, Angst, Zukunft, Sexualität oder Zweifel nicht ehrlich einbringen können, verlieren sie schnell das Interesse. Gleichzeitig gibt es positive Gegenbeispiele. Dort, wo kirchliche Jugendarbeit funktioniert, sieht man ähnliche Muster: junge Teams, Musik und Kultur der Jugendlichen, echte Verantwortung, Fahrten, Lager, soziale Aktionen, Räume ohne ständige Bewertung, Spiritualität ohne Dauerbelehrung. Beispiele dafür findet man etwa bei manchen Gruppen der Katholischen Jugend Österreich, bei Taizé-Fahrten oder in innovativen Pfarren.

Interessant ist: Viele Jugendliche sind nicht grundsätzlich gegen Spiritualität oder Glauben. Sie reagieren eher empfindlich auf Unechtheit, starre Rollen oder reine Verwaltungslogik. Darum scheitert Jugendarbeit nach der Firmung oft nicht am fehlenden Glauben der Jugendlichen, sondern daran, dass die Pfarre den Übergang von „betreuten Firmlingen“ zu „selbstständigen jungen Menschen“ nicht gut gestaltet.

Beispiele für das „Danach“

Der Garser Pfarrhelfer Victor Greutter sagt: „In unserem Pfarrverband versuchen wir bewusst, auch nach der Firmung Angebote für Jugendliche und junge Erwachsene zu schaffen. Im Sommer planen wir ein gemeinsames Lagerfeuer sowie eine Wanderung zum Kletterpark. Ab Herbst möchten wir mit regelmäßigen spirituellen Abenden für Jugendliche zwischen 14 und 25 Jahren starten. Dabei geht es nicht um Unterricht oder Frontalvorträge, sondern um die Themen Freundschaft, Liebe, Zukunft, Berufung, Zweifel, Hoffnung und Glaube.“ Man wolle den Jugendlichen die Möglichkeit bieten, sich auszutauschen, Fragen zu stellen und ihren eigenen Zugang zum Glauben weiterzuentwickeln, so Greutter.

In vielen Pfarren macht man sich Gedanken. Andrea Stuphann, Pastoralassistentin im neuen Pfarrverband Pielachtal, erzählt: „Ich denke auch schon seit einigen Jahren drüber nach, wie wir die schönen Feste noch ,nachklingen‘ lassen können.“ Stuphann schwebt eine „After-Party“ im Herbst vor. Mit einer gottesdienstlichen Feier, bei der die Firmlinge ganz stark ihre Gedanken, Gefühle, Erlebnisse und Höhepunkte des Festes Revue passieren lassen können, mit passender Musik. Abrunden möchte sie das Ganze mit einem „Grill & Chill“. Die Pielachtaler Pastoralassistentin möchte das im Frühherbst versuchen und diesen „Programmpunkt“ ab der nächsten Firmvorbereitung fix mit aufnehmen.

Modell: Firmkandidaten halbiert, Jugendtreff um Vielfaches mehr

Die Salesianer Don Boscos wollen dazu beizutragen, dass das Leben junger Menschen gelingt. Ihr Provinzial, der aus Waidhofen/Ybbs stammende Pater Siegi Kettner sagt: „In vielen jungen Menschen, denen ich im Rahmen der Firmfeier als Firmspender begegne, sehe ich guten Willen und Potential für ein Engagement in der Ortskirche. Und oft frage ich mich: Werden sie einen Platz in ihrer Pfarre finden?“ Es gelte: „Wo nichts ist, dort wird auch nichts mehr werden. Wenn es weder attraktive Angebote noch – viel wichtiger – Menschen gibt, die sich Zeit für diese jungen Menschen nehmen, sie sammeln, etwas anbieten und schrittweise in die Gemeinde integrieren, dann wird es eine Art Zufallstreffer sein, wenn neu Gefirmte plötzlich präsent in der Pfarre sind.“

In einer Pfarre, in der der Salesianer-Obere seit Jahren das Sakrament der Firmung spendet, habe der Pastoralassistent vor drei Jahren das System der Firmvorbereitung verändert: „Jugendliche, die gefirmt werden möchten, werden automatisch Teil der pfarrlichen Jugendgruppe (die aus ehemaligen Firmkandidaten entstanden ist). Erst wenn man daran einige Male teilgenommen hat, beginnt – immer im Anschluss an das Jugendtreffen – die konkrete Firmvorbereitung.

Ehemalige Firmlinge, die nur zwei oder drei Jahre älter als die aktuellen Firmlingen sind, sind Teil des Vorbereitungsteams. Seit dieses Modell gestartet wurde, gab es zwei große Veränderungen, so Pater Siegi: „Die Anzahl der Firmkandidaten hat sich plötzlich mehr als halbiert. Für viele war das ein zu hoher ,Einsatz‘. Aber die Zahl jener, die nach der Firmung geblieben sind, ist um ein Vielfaches gestiegen.“

Pfarren motivieren

Als Jugendseelsorger der Region Waldviertel ist es Kaplan Manuel Sattelberger ein Anliegen, die Pfarrgemeinden zu motivieren, auch nach der Firmvorbereitung eine „Firmnachbereitung“ im Sinne von Angeboten für die Gefirmten anzubieten. Es brauche beherzte Menschen in den Pfarren, die den jungen Menschen Räume anbieten. „Wir als Jugendpastoral Waldviertel bemühen uns Akzente und Hilfestellungen für die Pfarren und Pfarrverbände zu setzen. Regelmäßig bieten wir im Zwettler Pfarrhof Jugendtreff-Abende an – an Samstagen nach der Abendmesse um 20 Uhr“, so Sattelberger.

Es gibt Jugendgebetskreise und einige Jugendchöre, denen man sich anschließen könne. Es sprudelt viele Vorschläge: einen Grillabend mit Abendlob nach der Firmung im Pfarrgarten gestalten; die tollen Angebote der diözesanen Jugendhäuser nutzen. Es brauche auch die Eltern – für Taxidienste und Unterstützungen; regelmäßig fahren Gruppen zu religiösen Veranstaltungen nach Heiligenkreuz, Wien oder Linz.

Sattelberger wünscht sich: „Die Pfarre ist Kirche vor Ort – auch für die Jugend. Geben wir ihnen ihren Platz und Räume, machen wir Angebote und schenken wir ihnen Zeit, Unterstützungen und unser aller Gebet!“

Oberministanten fördern – Jugendbeauftragte in Pfarren etablieren

Sattelberger hat viele weitere Ideen: das „Oberministrantentum“ fördern, „die „Größeren sind wichtig für die Kleineren“; Verantwortlichkeiten übergeben; Jugend-Lektoren forcieren, sie ansprechen; kleine Chor- und Musikformationen bitten, Gottesdienste mitzugestalten; „soziale Einsätze“ planen und vorstellen.

Der Waldviertler Priester würde sich in jeder Pfarre einen „Jugendbeauftragten“ wünschen, der sich ein Team sucht und aktiv auf junge Menschen zugeht – sie einlädt und das pfarrliche Leben mitgestalten lässt. Jede Pfarre müsse sich fragen: Was tun wir für die Jugendlichen bei uns?

Da das Thema vielen wichtig ist, wird „Kirche bunt“ weiter darüber berichten. Gerne können Sie uns gelungene Beispiele schicken (E-Mail: redaktion@kirchebunt.at).

Autor:

Wolfgang Zarl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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