Mariä Himmelfahrt
Der Himmel: ein Kräutergarten
- Ölgemälde von Antoni Gramatyka (1841–1922): Zwei Mönche bereiten Kräuterbuschen für das Fest Mariä Himmelfahrt vor.
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Zu Mariä Himmelfahrt gibt es den Brauch des Kräuterbuschenbindens. Verschiedene Kräuter werden zu bunten, duftenden Sträußen zusammengebunden und gesegnet. Aber warum eigentlich?
Glauben – das geht mit allen Sinnen. Sei es die Pracht der Kirchen und Gewänder, der süße Geschmack des Messweines, der Duft des Weihrauchs oder noch viel mehr jener Wohlgeruch, der die Kirchen erfüllt, wenn Mariä Himmelfahrt gefeiert wird: Da binden vielerorts die Gläubigen noch die traditionsreichen Kräuterbuschen, Bündel aus Heilkräutern und Blumen, die während des Hochamts vom Priester gesegnet werden. Verschiedenste Kräuter kommen zum Einsatz. So empfiehlt der Kräuterpfarrer Herr Benedikt Felsinger vom Stift Geras folgende Kräuter zu verwenden: Dost, Schafgarbe, Rainfarn, Blutweiderich, Goldrute, Lavendel und Johanniskraut.
Der Prämonstratenser erklärt zur Heilkraft der Kräuter: „Gerne nenne ich die Kräuter ‚Animatoren‘, weil sie einzelne Organe oder den Organismus als Ganzes positiv aktivieren. Das ist nichts Esoterisches: Wenn wir die Kräuter analysieren, sehen wir, dass sie bestimmte Inhaltsstoffe enthalten, auf die der Körper positiv reagiert.“
Die konkrete Herkunft des Kräuterbuschenbrauches ist nicht ganz klar, doch seine Wurzeln reichen tief. Schon der Kirchenvater Johannes von Damaskus schrieb im 8. Jahrhundert, dass im Grab Mariens nach ihrer Aufnahme in den Himmel wohlriechende Kräuter sprossen. Er war auch einer der ersten, der mit großer Tiefe über die Himmelfahrt Mariens sagte: „Es war angemessen, dass sie, die ihre Jungfräulichkeit bei der Geburt bewahrt hatte, auch nach dem Tod ihren Leib frei von jeglicher Verwesung bewahren sollte.
Es war angemessen, dass sie, die den Schöpfer als Kind an ihrer Brust getragen hatte, in den göttlichen Wohnungen weilen sollte.“ Das ist der Grund, warum die Kirche seit jener frühen Zeit bis heute lehrt, dass Maria mit Leib und Seele von ihrem Sohn in den Himmel aufgenommen wurde.
„Alles, was in der Welt ist, wurde also auf den Menschen hin geschaffen.“
In einer Gruppe legendarischer Schriften aus dem 4. Jahrhundert wird detailliert beschrieben, wie diese Himmelfahrt ausgesehen haben könnte: Nachdem die Apostel Maria beerdigt hatten, erschien Christus selbst, nahm den Leichnam seiner Mutter, trug ihn in den Himmel und vereinte ihn dort mit ihrer unsterblichen Seele.
Wir haben es hier mit einem Kern christlicher Auferstehungshoffnung zu tun: Am Ende aller Zeiten, wenn Christus wiederkommt, werden die Leiber der Toten mit ihren Seelen wiedervereint. So sagt Christus im Johannesevangelium: „Die Stunde kommt, in der alle, die in den Gräbern sind, seine Stimme hören und herauskommen werden: Die das Gute getan haben, werden zum Leben auferstehen, die das Böse getan haben, werden zum Gericht auferstehen“ (Joh 5,28-29). Maria als diejenige, die vom Moment ihrer Empfängnis bereits ohne Sünde war und immer geblieben ist, hat bereits direkt nach ihrem Tod jene Gnade erfahren, die den guten Menschen noch zuteil werden wird.
Der Glaube an die Auferstehung
Das Fest Mariä Himmelfahrt als ältestes der Marienfeste ist also nicht nur das Gedenken der legendarisch überlieferten Begebenheit von der Aufnahme von Marias Leib in den Himmel, sondern eine Feier des österlichen Glaubens, der in das Leben jedes Menschen hineinreicht. Uns allen wird die Auferstehung zuteil, wie sie auch Christus und Maria zuteil wurde.
Warum aber binden die Menschen bereits seit dem 9. Jahrhundert Kräuterbuschen? Es ist nicht nur der Bericht des heiligen Johannes von Damaskus. Im Segensgebet des alten Ritus über die Kräuterbuschen heißt es: „Wir danken Dir für alle Wunder Deiner Schöpfung. Durch die Heilkräuter und Blumen schenkst Du uns Gesundheit und Freude.“ Herr Benedikt sagt: „In der Schöpfungsgeschichte lesen wir, dass Gott den Menschen als Letztes geschaffen hat. Alles, was in der Welt ist, wurde also auf den Menschen hin geschaffen. Die Schöpfung, und so auch die Kräuter, sind auf den Menschen zugedacht.“
Das Wunder der Schöpfung, der Reichtum der Gnaden, die Gott bereits hier auf Erden für seine Kinder wirkt, ist uns Vorgeschmack auf jene Herrlichkeit, in die Gott seine Magd Maria bereits geführt hat und in die auch er uns führen möchte. „Auferstehung bedeutet Vollendung“, erklärt der Kräuterpfarrer. „Weil Maria vollendet war, konnte sie mit Leib und Seele auferstehen. Ich nenne Mariä Himmelfahrt gerne das ‚Erntedankfest Gottes‘: Maria ist in ihrem Leben als Mutter des Erlösers gereift und kann von Gott entgegengenommen werden. Sie ist quasi die erhabenste Frucht im Garten Gottes. Gleichzeitig ist Mariä Himmelfahrt auch das Erntedankfest der Heilkräuter.“ Die Kräuter, die wir in die Kirche bringen, an jenen Ort, an dem sich Himmel und Erde in der Feier der Eucharistie berühren, sind uns lebendige und heilende Zeichen für die Wirklichkeit jenseits unseres irdischen Lebens: vereint zu sein mit Gott – und zwar ganz, mit Leib und Seele. Matthias Wunder
Autor:Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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