Eine Seelsorgerin erzählt
Abschied nehmen im Krankenhaus

Symbole sagen mehr als Worte: Eva Spreitzer versucht, den Abschied so würde- und liebevoll wie möglich zu begleiten.
  • Symbole sagen mehr als Worte: Eva Spreitzer versucht, den Abschied so würde- und liebevoll wie möglich zu begleiten.
  • Foto: Patricia Harant-Schagerl
  • hochgeladen von Kirche bunt Redaktion

Auch wenn man sich Tage oder gar Wochen auf das nahende Ende einstellen konnte: Der Tod ist für viele Angehörige dann doch ein Schock, eine emotionale Ausnahmesituation. Gerade im Krankenhaus braucht das Abschiednehmen Zeit, Raum – und auch ein Ritual.

Sei es mit Gebet, Gespräch oder einer symbolischen Geste: Eva Spreitzer begleitet Sterbende und ihre Angehörigen im Krankenhaus Zwettl. Ihre Rolle als Krankenhausseelsorgerin sieht sie „in der dritten Reihe“, hinter den Familienmitgliedern, die für den Sterbenden da sind. Die Seelsorgerin unterstützt die Angehörigen, die selbst in dieser Ausnahmesituation der Trauer und im Angesicht der auf sie zukommenden Aufgaben Hilfe und Stärkung brauchen. Das Weihwasser verwendet sie daher auch dafür, sie in ihrer Trauer zu segnen: „Geht im Segen Gottes durch eure Trauer!“ In einer Situation, in der sich alles auf den Sterbenden oder Verstorbenen konzentriert, sind viele Angehörige positiv berührt von einer solchen Geste der Zuwendung.

Sprachlos vor Trauer

Als ihre Aufgabe im Krankenhaus betrachtet die Pastoralassistentin des Pfarrverbands St. Josef im Waldviertel zudem, den Hinterbliebenen zu helfen, den Tod eines geliebten Menschen zu begreifen. Denn auch wenn man wisse, dass der Anruf aus dem Krankenhaus jederzeit kommen kann: „Wenn er dann kommt, ist er zu früh und zu plötzlich“, beobachtet Eva Spreitzer. Manche Familien wollen sich dann alleine vom Verstorbenen verabschieden, andere seien sprachlos und stumm vor Trauer und dankbar für eine Begleitung. Für manche Familien passt es, sich im Verabschiedungsraum zu versammeln und ein kurzes Abschiedsritual abzuhalten, andere wollen den Verstorbenen lieber nicht sehen. Jede Situation sei anders, erzählt die Seelsorgerin.

Weil der Tod eine so einschneidende Erfahrung ist, tut es vielen – auch nicht-religiösen Menschen – gut, in dieser Situation eine symbolische Handlung zu setzen. Eva Spreitzer hat gute Erfahrungen gemacht, wenn Angehörige dem Toten ein Kreuz auf die Stirn – mit oder ohne Weihwasser – zeichnen, als Zeichen des Segens, oder ihn auf andere Weise berühren: noch einmal die Hand halten, ihn umarmen, über die Wange streichen. Es gehe darum zu spüren, dass der geliebte Mensch nicht mehr da und weggegangen ist – um den Tod im wahrsten Sinne des Wortes zu „begreifen“. Dafür brauche es Zeit zwischen dem Schock der Todesnachricht und den vor der Bestattung zu erledigenden Aufgaben und Aktivitäten. Die Pas­toralassistentin schmückt oft einen Tisch mit Tüchern, Kerzen, einem Kreuz und dem Rosenkranz. Dort könne man sich zusammensetzen und gemeinsam beten – oder Eva Spreitzer spricht alleine ein Gebet, gleichsam stellvertretend für die Familie.

Gespräche mit Sterbenden

Wenn jemand im Sterben liegt, wird ein Priester verständigt und/oder Eva Spreitzer, so sie sich gerade im Spital aufhält. Sie geht dann in das Krankenzimmer, grüßt den Patienten, stellt sich vor und setzt sich ans Bett. Ist der Patient noch ansprechbar, bietet sie ein Gespräch an: „Das sind oft die spannendsten Gespräche!“ Für viele Patienten sei der Ritus der Krankensalbung – nicht nur gegen das Lebensende hin – ein stärkender Teil des Glaubens.

Und auch wenn der Sterbende scheinbar nichts mehr wahrnimmt: „Ich bin überzeugt, dass er merkt, ob jemand und wer bei ihm ist.“ Wenn der Herzschlag überwacht wird, sehe man das auch an der Herzfrequenz: Sogar bei einem intubierten Patienten könne man feststellen, dass er sich in Anwesenheit eines Menschen entspannt. Und was tut Eva Spreitzer dann? Sie betet, still oder halblaut.

Beten im Angesicht des Todes

Im Angesicht des Todes eines geliebten Menschen fehlen einem die Worte. Vorformulierte Sterbegebete, ein Vaterunser oder ein Gesätz des Rosenkranzes sind da wie ein Geländer, an dem man sich anhalten kann.
Die kleine Broschüre „Sterbesegen – Mach dich auf den Weg“ enthält eine Hinführung, was Segnen in der Situation des Sterbens meint, sowie ausgewählte Gebete aus dem Manuale zur Feier des Sterbesegens. Die 10-seitige Broschüre ist erhältlich im Behelfsdienst der Diözese Linz sowie im Online-Shop unter www.dioezese-linz.at/shop/behelfsdienst zum Preis von 25 Cent.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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