Meditation
Ostern kommt vor

Foto: Neuhold

Na, ist er endlich von den Toten auferstanden?“, höre ich neben mir im Zug am Montagmorgen jemanden am Telefon sagen. Die Antwort des telefonischen Gegenübers kann ich nicht hören. Aus den darauffolgenden Gesprächsfetzen kombiniere ich, dass wohl ein Elternpaar über den Sohn spricht, der am Wochenende offenbar zu wenig geschlafen und (aus elterlicher Perspektive zu viel) gefeiert hat. Wie schön, denke ich bei mir, dass die Auferstehung nicht tot ist. Dass sie im alltäglichen Leben (hie und da noch) vorkommt.

Es ist Ostern. Das Hochfest der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, um es genau auszudrücken. Auferstehung – sagt mir das noch was? Wenn ich lange sitze, zum Beispiel in einem vollbesetzten Zug, und wenig Beinfreiheit habe, dann fühlt sich plötzliches Aufstehen ziemlich unangenehm an, steif und schmerzhaft. Oder wenn ich aus dem Schlaf gerissen werde, weil auf einmal der Hund bellt oder ich den Wecker überhört und verschlafen habe, und augenblicklich aus dem Bett springe, dann gerate ich schon mal ins Wanken.

Jesus hat mit seinem Leben einiges ins Wanken und mit seiner Auferstehung sogar zu Fall gebracht. Seine Botschaft war für viele Menschen ziemlich unangenehm. Und sein Lebensende unvorstellbar schmerzhaft.
Am Karfreitag gedenken wir des Leidens und Sterbens Jesu. Menschlich betrachtet ist das, was wir da „feiern“, brutal. Eine Hinrichtung. Ein Toter. Zwei Ministrantinnen enthüllen während der Andacht den (hölzernen) Leichnam Jesu. Direkt gegenüber sitzt ein kleiner Junge. Was er sich wohl denkt? Ob er vor der blassen Holzfigur erschrickt?

Bis hierhin betrachtet wäre das Christentum ein Totenkult. Doch dann kommt die Osternacht. Ein knisterndes Feuer begrüßt die Gottesdienstfeiernden am Vorplatz der Kirche. Es ist einladend, wärmend, erhellend. Wir feiern, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Das war kein Spaziergang. Ka gmahde Wiesn. Mehr wie ein Gewitter, das durchzieht und alles verhagelt. Und dann kommt die Sonne. Und wir können die Trümmer aufsammeln. Und neu beginnen.

Katharina Grager

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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