16. Sonntag im Jahreskreis | 19.07.2020
Meditation

Auf’s Meer blickt das Symbol von Opatija – die Statue „Das Mädchen mit der Möwe“.
  • Auf’s Meer blickt das Symbol von Opatija – die Statue „Das Mädchen mit der Möwe“.
  • Foto: Grager
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In Gedanken am Meer
Heuer wird‘s wohl nichts mit dem Meer und mir. Die Reiseeinschränkungen wegen des Corona-Virus haben meinen Urlaubsplänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Geteiltes Leid ist halbes Leid – es geht schließlich vielen so. Aber es muss ja nicht die Karibik oder eine kroatische Insel sein, damit ich mich erholen und entspannen kann. Das geht auch in Österreich, in den Bergen, an einem See oder im eigenen Garten wunderbar. Doch eines kann mir keine Ruheoase und kein Wellnesstempel der Welt ersetzen: den Blick auf das weite Meer.
Egal zu welcher Tages- und Jahreszeit, egal bei welchem Wetter, einfach nur diese unendlich weite Wasserfläche beobachten und schauen. Mal sanft kräuselnd, in der Sonne glitzernd, zum Baden einladend, dann wieder dunkel und bedrohlich, mit hohen Wellen, die ohrenbetäubend laut, donnernd an der Kaimauer brechen, alles überfluten und mit sich reißen können.
Das Meer ist ein geheimnisvoller Sehnsuchtsort – in vielen Gedichten bedacht und Liedern besungen – wo Erholung und Weite ganz plötzlich auf Bedrohung und Gefahr treffen können. Im selben Meer, in dem wir baden, Kinder toben und Leute Sport betreiben, sterben Menschen, ertrinken Flüchtende, schwimmen Leichen. So mancher klingende Name von Badeorten oder Urlaubsinseln tönt in unseren Ohren nicht mehr so unbeschwert, seit die Schlagzeilen Verzweiflung und Tod titelten. Und doch ist es das gleiche Meer.
Das Meer ist nicht unschuldiger Protagonist einer Urlaubswerbesendung. Es ist Naturgewalt und Badewanne, es ist Wiege einer fantastischen Tierwelt und bitteres Grab für unzählbare Heimatlose. Es ist Inspirationsquelle, Wohlfühlplatz und Urlaubsdestination für die Massen – und zugleich unsichere und bedrohte Lebensgrundlage vieler. Und doch ist es das gleiche Meer.
Seit den Corona-bedingten Einschränkungen in Wirtschaft und Tourismus werden wieder Delfine und sogar Wale in der Adria nahe der Küsten gesichtet. Die Natur hat sich erholt. Wir bemerken wieder: Wir teilen uns das Meer. Oder teilen die Tiere das Meer mit uns? Vermüllte Ozeane, angespülte Kadaver von Meeresbewohnern – verendet am Plastik-abfall im Magen – teilen wir uns das Meer? Nein, eigentlich haben wir es nur geliehen.
Ich denke, heuer wird es nichts mit mir und dem Meer. Aber irgendwann bestimmt. Und bis dahin bin ich in Gedanken am Meer.

Katharina Grager

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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