3. Sonntag im Jahreskreis | 25. Jänner 2026
Meditation
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Übers Wasser gehen
Die Wellen peitschen, der Wind reißt an den Segeln, und das Boot schwankt gefährlich hin und her. Inmitten des stürmischen Wassers geht Jesus über die Wellen. Die Jünger erschrecken und glauben, sie sehen ein Gespenst. Sie schreien sogar vor Angst. Doch die Gestalt auf dem Wasser beruhigt sie und sagt ihnen, dass sie sich nicht fürchten müssen. Petrus braucht einen Beweis, um zu glauben, dass es Jesus ist. „Wenn du es bist, ruf mich zu dir hinaus!“, sagt er. Und Jesus bestraft seine Zweifel nicht, sondern er antwortet: „Komm!“
Petrus steigt aus dem Boot in die tobenden Wellen. Er hält sich nicht an das, was sein Verstand ihm sagt – dass Menschen nicht über Wasser gehen können. Und er klammert sich nicht an seine Erfahrung als Fischer, der noch nie jemanden gesehen hat, der das vermag. Er richtet seinen Blick auf den lebendigen Beweis, dass es möglich ist, und geht auf Jesus zu, der Vollmacht über die Wassermassen hat. Im Vertrauen darauf, dass dieser Mensch schon zuvor seine Autorität über Krankheit, Dämonen und Naturgewalten gezeigt hat.
Nur einen kurzen Moment weicht sein Blick von Jesus und fällt auf die furchteinflößenden Umstände. Augenblicklich merkt er, wie er ins Wasser sinkt und unterzugehen droht. „Herr, rette mich!“, schreit er. Seine Todesangst und Verzweiflung scheinen greifbar.
Jesus streckt die Hand aus und ergreift die des Petrus. Im selben Moment, als Petrus seinen Blick wieder auf Jesus richtet, können ihm die Wellen nichts mehr anhaben. „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“, sagt Jesus. Schau nicht auf die Umstände, sondern vertraue mir – ich halte dich.
Nicht umsonst lautet der Titel des heurigen Bibelsonntags (25. Jänner) „Übers Wasser gehen“ (mehr dazu: Bibelserie auf Seite 7, oder bibelwerk.at/bibelsonntag). Denn die Bibel zu lesen und sich vom Schöpfer des Universums etwas sagen zu lassen, kann ungemütlich sein. Es verlangt uns etwas ab: nämlich gegen unsere eigene Natur nicht auf die tobenden Wellen zu schauen, auf alles, was uns bedroht. Sondern loszulassen, Gott größer zu wissen als alles, worauf wir Menschen so viel setzen – und uns ihm anzuvertrauen.
Maria Wilbrink
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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