32. Sonntag im Jahreskreis | 08. November 2020
Meditation

Gott – warum?
Hier sollte etwas Besinnliches oder Meditatives stehen. Eine schöne Geschichte vielleicht. Oder etwas Poetisches. Jedenfalls etwas, das zum Nachdenken anregt. Vielleicht auch eine Art Gebet.

Eigentlich wollte ich über den „Lockdown“ schreiben. Darüber, was wir jetzt sollen und nicht sollen. Über das Gefühl der Einsamkeit und was man dagegen tun kann, dass sich allein lebende Menschen, trotz Ausgangssperre und Einschränkungen des gesellschaftlichen Lebens, nicht so allein fühlen. Über das Durchhalten und Aushalten wollte ich schreiben, über Solidarität, Verantwortung und Nächstenliebe. Es hätten wohl ein paar sinnvolle Gedanken dabei herauskommen können. Doch dann kam alles ganz anders.

Am Abend des Allerseelentags, dem letzten Abend, bevor die neuen, verschärften Maßnahmen gegen das Corona-Virus in Kraft traten, erlebte Österreich eine Erschütterung: einen Ausbruch von Gewalt. Ein belebtes Viertel im Herzen von Wien wurde Schauplatz einer grausamen Tat. Viele Menschen wurden verletzt. Einige haben ihr Leben gelassen, das Leben anderer hängt noch am seidenen Faden. Menschen, die auf ein letztes Bier vor der Schließung der Gastronomie gegangen sind, die den ungewöhnlich lauen Abend Anfang November sogar im Gastgarten verbracht haben. Diese Menschen wurden Opfer und Augenzeugen von brutaler und wahlloser Gewalt.

Dafür habe ich keine Worte.

Gott – warum?

Gott – du bist groß. Wie würde ich mir wünschen, du würdest einfach Schluss machen – mit all den Kriegen, aller Gewalt, all dem Hass, der Menschen zu so etwas treibt. Gott, du bist groß.

Gott – du bist gut.
Du liebst uns und willst unser Bestes. Du hast uns Freiheit geschenkt. Bedingungslos. In unserer Freiheit, zwischen Gut und Böse zu wählen, fügen wir einander und dir unglaubliche Schmerzen zu. Gott, du bist gut.

Gott – du bist da. Wenn wir fallen, sind da deine Hände. Wenn wir stolpern, ist da dein Arm. Höchster Tröster nennen Menschen dich. Gott, ich möchte glauben, dass du da bist, dass du tröstest. Gott, hilf mir dabei.

Katharina Grager

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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