17. Sonntag im Jahreskreis | 27. Juli 2025
Kommentar
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BIBEL & LEBEN
Gott ist nicht unerbittlich
Ein alter jüdischer Witz erzählt, dass Mose, als er vom Berg Sinai herabkam, dem Volk verkündet habe: „Gott wollte uns fünfzehn Gebote geben. Ich konnte sie herunterhandeln auf zehn.“ Er nimmt die Vorliebe der orientalischen Völker für das Feilschen und Handeln aufs Korn, wie es am Basar bis heute kunstvoll und eloquent praktiziert wird.
Vielleicht lässt sich diese Sitte bis Abraham zurückverfolgen. Der Stammvater handelt geschickt und zäh mit Gott, er setzt sich leidenschaftlich für die Rettung der Gerechten ein. Das Wunderbare und Unerwartete an dieser Geschichte ist, dass Gott sich tatsächlich umstimmen lässt. Es bewegt ihn, dass da jemand für andere eintritt. Das ist eine wichtige Erkenntnis für unsere Vorstellung von Gott. Der biblische Gott ist kein unbewegter Beweger oder unnahbarer Weltgeist, die Schöpfung ist keine Modelleisenbahn, die von Gott erdacht wurde und unerbittlich nach seinem Plan abläuft.
Gott ist ein Beziehungswesen. Jede Beziehung entwickelt und verändert sich, man lernt voneinander und geht aufeinander ein. Daher ermutigt uns Jesus, mit Gott wie mit einem Vater zu sprechen und ihm unsere Bitten anzuvertrauen. Sie gehen ihm nahe.
Alfred Jokesch
alfred.jokesch@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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