4. Sonntag der Fastenzeit | 15. März 2026
Kommentar - Bibel und Leben
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Sehen und gesehen werden
Das Sehen ist – gerade in unserer heutigen, von Bildschirmen und visuellen Reizen geprägten Welt – wohl jene Sinneswahrnehmung, deren Fehlen uns am stärksten beeinträchtigt. Wer nicht sehen kann, ist von sehr vielen Lebensbereichen oder Informationsquellen ausgeschlossen, sofern sie nicht „barrierefrei“ gestaltet sind, also über den Umweg des Hörens oder Fühlens dieses Defizit ausgleichen.
Fast ebenso essentiell ist es, gesehen zu werden. Es herrscht ein beinharter Verdrängungswettbewerb um Sichtbarkeit, um ein Wahrgenommen-Werden im begrenzten Raum der Aufmerksamkeit. Je schriller und aufdringlicher sich jemand in Szene setzt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, gesehen und beachtet zu werden.
Die Sichtbarkeit und das Aussehen entscheiden auch über das Ansehen. Den Blindgeborenen haben die Menschen als Bettler gesehen, als eine Belastung für das Gemeinwesen, als jemanden, über den man besser hinwegsieht. Jesus sieht zu ihm hin und nimmt ihn wahr als einen Menschen, der sich nach Heil sehnt. Er bückt sich zu ihm hinab und berührt ihn heilsam. Und der sehend Gewordene deckt sogleich die Blindheit der Sehenden auf.
Alfred Jokesch
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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