seelenstark: Theresa von Avila | Teil 03
Verlassen und enttäuscht? Da ist ein Anker!

Der Anker gibt Halt – nur, wer ihn zu Hause liegen lässt, dem nützt er nichts. „Gott allein genügt“ – er ist der stärkste Anker. Nur wer ihn bei Schönwetter nicht mitnimmt, wird ihn im Sturm nicht finden.
  • Der Anker gibt Halt – nur, wer ihn zu Hause liegen lässt, dem nützt er nichts. „Gott allein genügt“ – er ist der stärkste Anker. Nur wer ihn bei Schönwetter nicht mitnimmt, wird ihn im Sturm nicht finden.
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Das unten stehende Gebet (Nada te turbe…) – es ist wohl der heute bekannteste Text von Teresa – hat eine große Kraft. Ich erinnere mich an Situationen, in denen mir dieses Gebet geholfen hat, meine Angst zu bannen. Auch von anderen weiß ich, dass das Beten oder Singen dieser Worte Ruhe verschafft in Anspannung, Sorge und in chaotischen Situationen. „Nichts soll dich ängstigen, nichts dich verwirren“ – diese Zusage berührt und stärkt immer wieder.[/p]

„Ihr“ Gebet. Heutige Forschung geht davon aus, dass Teresa nicht die Autorin dieses Gebets ist, sondern Johannes vom Kreuz, ihr langjähriger (geistlicher) Begleiter soll dieses Gebet für Teresa geschrieben haben. Sie ist also nicht die Autorin, aber die ursprüngliche Beterin dieses Gebets. Und dieses Gebet scheint wirklich „ihr“ Gebet gewesen zu sein. Diese Vergewisserung hatte sie not. Teresa war eine, die offen und mit viel Vertrauen durch das Leben ging. Sie war eine attraktive, charmante Frau, ihr fiel es leicht, Kontakte zu stiften, Vertrauen zu erwecken, Freundschaften zu leben und ihre Anliegen durchzusetzen. Es ging ihr, so scheint es, eigentlich alles leicht von der Hand. Sie hatte keine Angst vor anderen Menschen, auch nicht vor Autoritäten und nicht einmal vor der Inquisition. Mit Vertrauensvorschuss ging sie in Begegnungen hinein und erntete auch viel Vertrauen.

Und doch ist dieses Gebet „ihr“ Gebet. Die tiefen Nöte und „Lebensthemen“ sind nicht auf den ersten Blick sichtbar. Bei Teresa nicht und auch nicht bei uns.

Auf ihn ist Verlass. Teresa hat viele Kämpfe ausgetragen, viele Konflikte durchgestanden. Nur wenige Menschen wussten, wie sehr Teresa gekränkt war, wenn sie übergangen wurde oder missverstanden. Sie rettete sich oft mit ihrem Humor, aber wenn sie von Menschen, die ihr etwas bedeuteten, keine Zustimmung bekam, dann konnte sie das in Verzweiflung stürzen. Die Worte „Alles vergeht, Gott bleibt derselbe“ (Mariano Delgado übersetzt: „Alles geht vorüber, Gott zieht nimmer aus“) drücken die Hoffnung und die Gewissheit aus, dass auf die Anwesenheit Gottes Verlass ist. Er hat in uns Wohnung genommen, und da zieht er nicht mehr aus. Kein anderer Mensch hat einen solchen festen Wohnsitz in uns.

Aufbruch mit Gott. Vielleicht ist diese Empfindsamkeit Teresas auch mit ein Grund, weshalb sie so lange wartete, bis sie ihren innigen Wunsch, ein Reformkloster zu gründen, in die Realität umsetzte. Teresa lebte in einem Kloster mit ca. 180 Mitschwestern, und die meisten von ihnen reagierten mit Unverständnis und Ablehnung auf ihr Projekt. Sie stellte damit ja tatsächlich ihre Lebensweise radikal in Frage. Als dann der Entschluss gereift ist und sie die Idee umsetzt, schreibt sie über diese Zeit: „In den ungeheuren Mühsalen, Verfolgungen und Widerständen, die ich in diesen Monaten zu erdulden hatte, hat Gott mir großen Mut verliehen.“ (CC 3,3)

Enttäuschte Klage. Teresa hat bei der Umsetzung ihres großen Werkes, der Gründung zahlreicher Reformklöster, aber auch persönlich viel Enttäuschung und Unverständnis geerntet. Eine schmerzliche Enttäuschungs-geschichte erlebte sie gegen Ende ihres Lebens. Sie lernt Pater Jerónimo Gracián kennen, er ist 30 Jahre jünger als sie, und sie ist gänzlich fasziniert von ihm, fühlt sich ihm seelenverwandt und hätte ihn am liebsten als Berater, Freund und Begleiter immer in ihrer Nähe gehabt. Jerónimo Gracián schätzt Teresa sehr, er bewundert ihr Charisma und verehrt sie, grenzt sich aber immer wieder ab und geht seine eigenen Wege.

Teresa spürt schmerzlich diese „Nicht-Erfüllung“ ihres Wunsches. Sie leidet und versteckt das auch nicht vor ihm: „Ja, ich muss Ihnen sagen, Pater, mein Fleisch ist schwach, und so bin ich trauriger geworden, als mir lieb ist. Es war wirklich schlimm. Sie hätten doch Ihre Abreise wenigstens bis zu unserem Umzug verschieben können! Acht Tage mehr hätten doch nichts ausgemacht! Hier aber haben Sie eine ziemliche Einsamkeit zurückgelassen. Es ist wahr, ich schreibe Ihnen wenig Erfreuliches. Ich bin dazu nicht aufgelegt. Mir gereicht alles zum Überdruss, denn schließlich hat meine Seele niemanden mehr, der sie tröstet und leitet. Möge Gott das alles als Opfer annehmen, dann gibt es auch keinen Grund mehr zur Klage, wie tief auch immer der Schmerz ist.“ (Mai 1581)

Solo Dios basta. Das ist keine tiefe Beziehungskrise, die aus diesem Brief spricht, schon gar nicht ein Beziehungsabbruch Jerónimo Gracián geht in die Geschichte ein als großer Freund und Verbündeter Teresas. Aber es zeigt doch, wie schmerzlich sie manchmal Unterstützung und Vertrautheit vermisst hat, wie sehr sie dieses Gebet, das Ängste und Unsicherheit bannt, das Enttäuschung in Vertrauen wandelt, wie sehr sie das „Solo Dios basta“ (Gott allein genügt) gebraucht hat.

 

Anna Findl-Ludescher

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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