Zukunftsbild der steirischen Kirche | Teil 06
Türen öffnen, geschlossene Räume verlassen

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Wir haben uns daran gewöhnt, dass unsere Kirchen und Kapellen die „eigentlichen“ Versammlungsorte der Feiern unseres Glaubens sind. Und da „bespielen“ wir meist nur den Hauptraum. In Vergessenheit geraten sind Vor- und Nebenräume unserer Kirchen. Für manche Menschen reicht der Vorraum. Auch im übertragenen Sinn finden nicht alle im Hauptraum einen „Platz“. Weil sie vielleicht nicht getauft, aus der Kirche ausgetreten, geschieden und wiederverheiratet sind oder sich aus anderen Gründen nicht zugehörig fühlen. Für diese passt vielleicht ein Nebenraum, ein kurzes Ritual, eine niederschwellige Feier, ein Segenswort, ein Bibelwort …
Herodes hat dem großen Tempel in Jerusalem einen sehr großen Vorplatz für die Heiden gebaut. Somit hatte jede und jeder die Möglichkeit, in die Nähe des Heiligtums zu kommen. Vielleicht ist unser Kirchplatz ein Vorraum zur Kirche, der auch zu einem Teil der Verkündigung wird, durch entsprechende Gestaltung, Bilder, Skulpturen, autofreie Zone, Platz für diverse Feiern. Es wird notwendig sein, ganz neue Orte für die Verkündigung und die Feier des Glaubens zu entwickeln, Kirche zu den Lebensorten der Menschen zu bringen.

Fragen:

Welche „Vorräume“ bzw. anderen Erfahrungsräume von Kirche gibt es bereits bei uns in der Pfarre und im Seelsorgeraum? Warum könnte es sich lohnen, ihnen nachzuspüren?

  • Wo könnten bei uns in der Pfarre oder im Seelsorgeraum Vor- und Nebenräume entstehen und wachsen? Wie können wir als Einrichtung oder Abteilung unterstützend wirken, damit diese neuen und anderen Erfahrungsräume entstehen können?
  • Welche Kriterien haben wir, um bei der Ermöglichung von neuen Erfahrungsräumen auch ressourcenschonend zu sein?
  • Wo kommen in unserem Umfeld Menschen im Geiste Jesu zusammen: im Handeln, im Denken und im Beten?

Tipp:

Vielleicht lohnt sich ein Blick auf verschiedenste Formen des Kircheseins: FRESH X (Informationen unter www.freshexpressions.de), Gebetsrunde im Altenheim, Weltjugendtag, Taizé-Treffen …

Das Zukunftsbild konkret erlebt

Mag. Barbara Rutter-Wrann ist Pastoralassistentin in der Katholischen Hochschulgemeinde in Graz.

Welche „Vorräume“ und „frischen“ Erfahrungsräume von Kirche gibt es bei Euch im Quartier Leech?
Wohnen ist nicht gleich Wohnen. Unsere Studierenden kommen in unser Haus, weil es ein Ort mit sozialem und spirituellem Mehrwert ist. Wir interessieren uns für den Menschen hinter der Zimmernummer. Wir wollen ein anbietendes, nicht pastoral vereinnahmendes Haus sein – eine Art Vorraum der Kirche, wo ein junger Mensch hineinwachsen und persönliche Potenziale entdecken kann. Sichtbar wird das stark im sozialen Bereich: Es gibt sehr viel Engagement unserer Studierenden: Dabei gehen sie bewusst nach draußen, etwa zu den BewohnerInnen der Lebenswelten der Barmherzigen Brüder.]

Wo könnten im studentischen Milieu weitere erfrischende Vor- und Nebenräume entstehen und wachsen? Welche Begegnungsflächen mit jungen Menschen finden Sie besonders spannend?
Das Paradise L. rund um „unsere“ Leechkirche ist ein gelungener Versuch für so eine neue Begegnungsfläche. Hier kann ich als StudentIn einen schönen, konsumfreien Raum im Grünen nutzen: Ich kann an einer der Veranstaltungen teilnehmen oder auch einfach nur das bunte Treiben rund um die Kirche beobachten. Solche milieuverbindenden Orte in der Stadt wünsche ich mir mehr, und dass wir als Kirche dort mitten hineingehen – mit Kraft, Frische und Offenheit.

Wie gelingt es Euch, diese Erfahrungsräume so aufzusetzen, dass die dafür notwendigen personellen Ressourcen passend sind?
Dazu nur ein paar Schlagworte: Eigenverantwortung stärken in einem weltoffenen Menschenbild. Raum lassen für Skepsis. Nicht verzweckte Netzwerke schaffen

Wo kommen in Eurem Umfeld Menschen „einfach so“ zusammen, um im Geiste Jesu zu beten und zu handeln?
Da fällt mir eine bunte Vielfalt an spirituellen Formaten und Gruppen ein. Auch unspektakuläre: Gerade habe ich von einer KHG-Heimbewohnerin erfahren, dass es eine What’sApp-Gruppe gibt, die, inspiriert von Worten Don Boscos, „mit einem guten Gedanken schlafen geht“.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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