Werke der Barmherzigkeit - 2007/2008 | Teil 08
Sünder zurechtweisen

„Wegschauen“, „weghören“, „stumm bleiben“ passen nicht zu einem mündigen Christen. Nicht über die Mitmenschen (und deren Fehler) reden, sondern mit ihnen Fehler ansprechen: ein „Werk der Barm­herzigkeit“.
  • „Wegschauen“, „weghören“, „stumm bleiben“ passen nicht zu einem mündigen Christen. Nicht über die Mitmenschen (und deren Fehler) reden, sondern mit ihnen Fehler ansprechen: ein „Werk der Barm­herzigkeit“.
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In einem Dorf, in einem Häuserblock, aber auch in einer Hausgemeinschaft wie dem Priesterseminar oder einem Kloster kennt man sich ziemlich gut. Vor allem kennt man die Fehler der andern sehr genau. Man redet auch häufig und ausführlich darüber. Es gibt Menschen, die stundenlang über andere reden können. Viele dieser Gespräche verlaufen so, dass man ziemlich erschrocken verstummt, wenn der oder die Besprochene zufällig in die Nähe kommt. Und man ist sehr verlegen, wenn er oder sie auf Umwegen erfährt, was man über sie oder ihn gesagt hat. Das kommt ziemlich häufig vor und ist meist nicht bösartig gemeint. Aber es ist gedankenlos und oft auch sehr lieblos.

Menschen mit Anstand tun das nicht. Sie reden nicht über andere oder nur so, dass die Betroffenen es auch selber hören dürften. Sie maßen sich kein Urteil über die andern an, sondern lassen sie leben, wie sie es selber für gut halten. Solche diskreten Menschen sind eine Wohltat und werden im Allgemeinen auch geschätzt.

Toleranz und Großzügigkeit sind in der heutigen vielfältigen Gesellschaft sehr wichtige Tugenden. Ohne sie ist ein gutes Zusammenleben gar nicht mehr möglich. Und doch: Toleranz kann zur Gleichgültigkeit werden. Und dann kann sie sogar lieblos sein.

Nach Ansicht Gottes und der Bibel sind wir die Hüter unserer Mitmenschen. Wir machen uns schuldig, wenn wir uns nicht um sie kümmern. Es gibt Situationen, in denen wir uns nicht heraushalten können und dürfen.

In Klöstern gibt es den uralten Brauch der sogenannten „Correctio fraterna“, der brüderlichen Zurechtweisung, wie sie es nennen. Die Glieder der Gemeinschaft sind verpflichtet, es ihren Mitbrüdern oder Mitschwestern zu sagen, wenn diese etwas falsch gemacht haben. Das soll aber nicht aus Scheinheiligkeit geschehen oder weil man sich besser vorkommt, sondern um dem Mitbruder, der Mitschwester zu helfen, seine oder ihre Fehler zu erkennen und zu überwinden. Das wäre auch im alltäglichen Leben außerhalb der Klöster oft sehr gut und wohltuend. Es kommt vor, dass jemand folgenschwere Fehler macht, in etwas hineinstolpert, etwas Schlimmes anrichtet, ohne dass ihn jemand darauf anspricht oder ihn rechtzeitig warnt. Zu oft wird dann nur über ihn oder sie gesprochen, statt mit ihm oder ihr. Meist geschieht Letzteres leider erst, wenn jemandem der Kragen platzt. Und dann ist es oft zu spät oder geschieht auf eine Weise, dass es der oder die Betroffene nicht akzeptieren kann. Er oder sie sieht dann nur noch die Missgunst, aber nicht die Wahrheit oder das Körnchen Wahrheit in den Worten des Mahners.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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