Zukunftsbild der steirischen Kirche | Teil 07
Neues wagen

Innovation ist zu einem vielzitierten Begriff geworden. Im Beruf, im privaten Umfeld und auch in der Kirche gilt es heutzutage, innovativ zu sein, neue Ideen zu haben und dadurch eine Art Erfolgsgeschichte zu schreiben. Aber steckt das alles wirklich hinter dem, was unser Zukunftsbild mit Innovation und Experimentierfreude sagen will? Bei Innovation geht es um das Ausprobieren und Erproben von Ideen, die, wenn sie Anklang bei den Menschen finden, als innovativ gelten. Dazu muss man neue Wege beschreiten. Wie es Woody Allen sagt, kann man dabei auf die Nase fallen. Aber wird dieses Risiko nicht in Kauf genommen, bleibt man stehen. In der Tradition der Kirche steckt Innovation drinnen. Nur weil Neues gewagt, weil experimentiert und versucht wurde, ist die Kirche auch heute noch lebendig.

Fragen:

  • Welche Projekte, auch außerhalb der Kirche, fallen uns ein, die wir als innovativ einstufen würden? Können wir daraus etwas für unsere Pfarre/Einrichtung oder unseren Seelsorgeraum ableiten?
  • Wie können wir Kreativität in unserer Pfarre/Einrichtung wecken? Was braucht es dafür?
  • Welche Menschen wollen wir ansprechen? Mit wem möchten wir Neues wagen und uns auf Innovatives einlassen?
  • Sind wir auch bereit, etwas loszulassen, damit Neues entstehen kann? Wie können wir unsere Ressourcen bestmöglich verteilen, damit Platz für Neues frei wird?

Wenn ein neues Projekt, ein neuer Erfahrungsraum von kirchlichem Leben oder Ähnliches entstehen soll, ist es wichtig, zuerst an das WARUM zu denken. Viel zu schnell konzentrieren wir uns in unserem Tun auf das Wie und verlieren das Warum aus den Augen.

Das Zukunftsbild konkret erlebt

Mag. Stefanie Gamsjäger, pastorale Mitarbeiterin im Pfarrverband Liezen-Weißenbach-Lassing, absolviert derzeit auch das Psychotherapeutische Propädeutikum der Universität Graz.

Was bedeutet es für dich, dich auf Neues einzulassen und dafür möglicherweise auch Altvertrautes loszulassen?
Mein persönliches Leben hat mich bis jetzt immer wieder dazu herausgefordert, mich auf Neues ein- und Vertrautes loszulassen. Und nein, das war nicht immer einfach, und oft wurde mir erst im Nach-hinein klar, warum neue Schritte nötig gewesen waren.

Welche Menschen wollt ihr in euren Pfarren ansprechen, und mit welchen PartnerInnen wollt ihr Neues wagen?
Eines meiner größten Anliegen ist es, das Verbindende vor das Trennende zu stellen. Es gibt keinen Menschen, den ich nicht ansprechen möchte. Interreligiöse Beziehungen spielen in unserer Pfarre eine immer wichtigere Rolle, das erfüllt mich mit unaussprechlicher Freude.

Was ist dir besonders wichtig an der Begegnung mit Menschen aus anderen Religionen?
Wir können so viel voneinander lernen, wenn wir beginnen, über den eigenen Tellerrand zu blicken. Viele unserer Meinungen übernehmen wir, etwa von den Medien, wenig rührt aus persönlichen Erfahrungen. Im Glauben soll es nicht darum gehen, wer Recht hat und wer nicht, diese Einstellung hat selten etwas Friedvolles hervorgebracht. Lernen wir voneinander, uns gegenseitig zu respektieren, zu stärken und zu unterstützen, unabhängig davon, ob wir alle genau dasselbe glauben! Seien wir füreinander da, schlicht deswegen, weil wir alle durch unser Menschsein miteinander verbunden sind! Dadurch verlieren wir nichts – im Gegenteil, wir gewinnen vieles dazu. Imam Zekan Sakib hat es bei unserem letzten interreligiösen Friedensgebet wunderschön zusammengefasst: „Es war ein Miteinander-Staunen über die Hoffnung, die viel größer ist als alles, was uns entzweit.“

Wie versucht ihr in eurem Pfarrverband, Menschen zu diesem neugierigen Zugehen auf andere zu motivieren?
Indem wir das nötige Angebot dafür bereitstellen und darauf achten, dass es mit dem alltäglichen Leben der Menschen in Berührung steht. Dann kann der Glaube wirken und man selbst etwas be-wirken. Das geht nicht von heute auf morgen, man muss den Menschen Zeit lassen, ihre Neugierde innerhalb der eigenen Religiösität zu entdecken.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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