Quelle des Segens - Schritte zu einer lebendigen Liturgie | Teil 02
Liturgie als dramaturgische Aufgabe

Der nach dem II. Vaticanum erneuerte Ritus der Messliturgie stellt dramaturgische Aufgaben, die bei der Einführung dieses Ritus oft wenig beachtet worden sind.

Dies ist eine der Ursachen für die Unzufriedenheit mit dem Zustand der Liturgie bei nicht wenigen intellektuell und ästhetisch sensiblen Katholiken, aber auch bei religiös Suchenden an der Schwelle der Kirche. Sie haben ein Gespür dafür, dass Liturgie ein Mysterium ist, ein heiliges „Spiel“ vor Gott im ernsthaftesten Sinn des Wortes „Spiel“, ein heiliges Drama.

Dramaturgie hat sich zu bemühen um ein dem Drama entsprechendes geordnetes Miteinander von Raum, Raumausstattung und von handelnden Personen in deren Sprache, Kleidung und Gestik.

Bei der liturgischen Dramaturgie geht es einerseits um den Kirchenraum und bei seiner Ausstattung vor allem um den Altar und den Ambo. Die handelnden Personen der Liturgie sind nicht nur Priester, Diakone und zum Lektorendienst oder zum Helfen bei der Kommunionspendung sowie zum Ministrieren und Musizieren Beauftragte. Die ganze Gottesdienstgemeinde zelebriert, das heißt sie feiert vor Gott die heiligen Geheimnisse des Leidens, Sterbens und der Auferstehung Jesu Christi. Die ganze Gemeinde ist also Subjekt der Liturgie.

Dennoch kommen einigen der so Feiernden, Zelebrierenden besondere Aufgaben zu, die auch dramaturgische Konsequenzen haben. Zuvorderst gilt dies für den Priester, der die Eucharistiefeier leitet. Er tut dies, wie der heilige Thomas von Aquin gesagt hat, „in persona Christi“, also als Repräsentant des auferstandenen Herrn. Dabei spielt der Priester nicht nur eine „Rolle“, wie dies in Theatern jeglichen Niveaus der Fall ist, sondern er ist dazu erst durch das Weihesakrament befähigt und bevollmächtigt.

Dem Priester kommt daher in der Dramaturgie der heiligen Messe eine besondere und unersetzbare Aufgabe zu in Sprache, Gestus und auch im Kleid. Er spricht das Hochgebet mit den Wandlungsworten, er (oder der Diakon) hält die Predigt in Gestalt einer Homilie über die Texte von Lesungen und Evangelium der Messe. Er ist der erste Kommunionspender. Als Kommunionhelfer Beauftragte tun diesen Dienst subsidiär, wenn dies wegen der großen Zahl der Kommunikanten notwendig ist, weil der Priester „in persona Christi“ selbst den „Herrenleib“ in Brotsgestalt bricht und verteilt. Bevor er anderen die Kommunion spendet, empfängt er sie selber, weil er dabei nur gibt, was er selbst schon empfangen hat.

Auch hier unterscheidet sich die Eucharistiefeier von einer profanen Mahlzeit, bei der der Hausherr nicht anfängt zu essen, bevor seine Gäste bedient sind. Der Priester trägt auch ein Messkleid, das ihn von den anderen Zelebrierenden unterscheidet. In all dem steht er aber nicht über der Gemeinde, sondern er steht ihr gegenüber, weil er eben Christus repräsentiert, unabhängig davon, ob er klüger oder heiliger ist als die anderen Christen, die mit ihm Eucharistie feiern.

Dr. Egon Kapellari, Diözesanbischof

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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