Post aus Rom | 01
„Grüezi“ im Herzen der Kirche

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Michel Staszewicz ist seit Jänner Schweizer Gardist. Im Sonntagsblatt-Interview verrät er, warum er sich dafür entschieden hat, womit der Papst seinen Dienst versüßt und was ihm am Leben in der Schweizergarde am besten gefällt.

Herr Staszewicz, wie sind Sie auf die Idee gekommen, Schweizer Gardist zu werden?
Mein Weg ist etwas außergewöhnlich:
Ich wurde in Polen geboren und bin in der Schweiz aufgewachsen, habe aber erst seit kurzem die Schweizer Staatsbürgerschaft, da der Einbürgerungsprozess in der Schweiz sehr lange dauert.

Somit hatte ich nach meinem Jurastudium die Möglichkeit, Schweizer Gardist zu werden. Ich entschied mich dafür, weil mich einige gute Freunde, darunter auch Ex-Gardisten, dazu ermutigten und dieser Weg für meine Situation genau passend schien.
Im Nachhinein würde ich eher von einer Berufung zu diesem Dienst als von einem lang geplanten Vorhaben sprechen.

Was gefällt Ihnen am besten am Leben in der Schweizer Garde?
Für mich ist es ein Privileg, als Schweizer im Herzen der Kirche dem Papst zu dienen und die einzigartige Möglichkeit zu haben, den Vatikan von innen kennenzulernen.
Da wir verantwortlich dafür sind, den Papst zu schützen, kommt es vor, dass wir den
Heiligen Vater im Dienst treffen und ein paar Worte mit ihm sprechen können.
Das ist schon etwas Besonderes!
Die Zeit außerhalb des Dienstes ist oft ein wenig wie Urlaub: ich mag es sehr, gemeinsam mit Kollegen und Freunden historische Sehenswürdigkeiten zu besuchen und profitiere von den vielen kulturellen Möglichkeiten, die die Ewige Stadt bietet.

Teil Ihres Dienstes ist es, in der Schild-wache eine bzw. zwei Stunden still zu stehen. Was tun Sie während dieser Zeit?
Offensichtlich nicht so viel (lacht). Ich versuche zu beten, über Vergangenes und Zukünftiges nachzudenken und möglichst nicht an die schmerzende Schulter oder die Zeit, die nicht vergehen will, zu denken.
Das Stillstehen in der Schildwache ist aber auch eine gute Möglichkeit, sich in Geduld zu üben und zu lernen, seine eigenen Gedanken gut zu führen – das ist keine einfache Übung.

Neben der typischen Uniform gehört auch die Hellebarde zur Grundausrüstung eines Schweizer Gardisten. Müssen Sie mit der Hellebarde auch kämpfen können?
Im Ernstfall verwendet man natürlich alles, was zur Hand ist; die Hellebarde ist schließlich der Vorfahre des Schweizer Taschenmessers! Aber wir erhalten alle eine militärische und polizeiliche Ausbildung in Schießen und Nahkampf, und wenn nötig haben wir die Möglichkeit, immer mit verhältnismäßigen Mitteln auf Angriffe zu reagieren.
Doch unsere effizienteste Waffe – das darf man nicht vergessen – ist das Gebet.

LIVE AUS ROM

Post aus Rom

Michaela Wieser studiert katholische Theologie in Graz und absolviert derzeit einen Teil ihres Studiums in Rom. In ihrem Rom-Tagebuch notiert sie ihre Erlebnisse. Dieses Mal: ein Abendspaziergang

Ein Abendspaziergang

Nach dem heißen Tag wird es am Abend allmählich erträglicher, und ich mache mich auf, vorbei an Sant´Andrea della Valle, der Kirche, die Reliquien des Hl. Andreas beherbergt, über die Piazza Navona, dem ehemaligen Stadion des Domitian. Wie an keinem anderen Ort treffen sich in Rom antike römische und frühchristliche Geschichte. Hier, unter dem Stadion des Domitian, das für seine eindrucksvollen Seeschlachten bekannt war, erlitt die hl. Agnes um 250 n. Chr. ihr Martyrium. Ich betrachte einmal mehr den Vierströme-Brunnen von Bernini, um danach weiter in den engen Gassen, vorbei an Straßen-musikern und Motorinos den Tag ausklingen zu lassen.
Ob man Rom jemals ganz erkundet hat? Nein, in der Ewigen Stadt werden sich wohl immer neue Schätze entdecken lassen.

Michaela Wieser
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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