Werke der Barmherzigkeit - 2007/2008 | Teil 02
Durstige tränken

Markus Nolte (Hrsg.),das habt ihr mir getan, Die sieben Werke der Barmherzigkeit, Münster: dialogverlag 2007.
  • Markus Nolte (Hrsg.),das habt ihr mir getan, Die sieben Werke der Barmherzigkeit, Münster: dialogverlag 2007.
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„Ich war durstig, und ihr habt (mich) getränkt!“ So müsste man eigentlich den griechischen Urtext von Matthäus 25,35 übersetzen. Das Wort „dipsán“ ist eine besonders schlimme Art von Durst: nicht nur „Durst haben“ ist gemeint, sondern sogar „Durst leiden“, „vor Durst vergehen“; das hat etwas Lebensbedrohliches an sich. Und „potízein“ müsste eigentlich auch noch ein wenig differenziert werden: „trinken lassen“ oder „mittrinken lassen“; da steckt etwas von Gemeinsamkeit und Anteilgeben drin. Von dem Gast an der Theke kann man schwerlich sagen, dass er „vor Durst vergehe“, auch wenn er sich das manchmal vorredet.

Wenn der Wirt seinem Gast ein Getränk gibt, müsste man eigentlich auch ein anderes Wort gebrauchen als das ins Deutsche übersetzte griechische Wort. Da passt schon eher, was mir vor einiger Zeit ein Jugendlicher vom Besuch in der Kneipe erzählte: „Die haben gesoffen wie die Pferde!“ Pferde gelten ja als besonders trinkfreudig, und die Tränke auf unserem Bild wartet nur noch auf ihre Gäste: die Pferde!

Die Einheitsübersetzung der Bibel übersetzt: „…und ihr habt mir zu trinken gegeben.“ Das ist korrekt, aber vielleicht zu schwach; gemeint ist ja: „Ihr habt mir beim Tränken das Leben gerettet.“ Wir brauchen das Wort „tränken“ nicht so gern, es ist ein bisschen altväterlich. Es erinnert an „ertränken“ oder eben an die „Tränke“: siehe die Pferde!

Aber die Gleichstellung von „speisen“ und „tränken“ ist bemerkenswert; steht das wirklich auf derselben Stufe? Ärzte fragen ihre Patienten oft, ob sie wohl im Laufe des Tages genug trinken; ein Nierenkranker hat mir aber kürzlich erzählt, sein Arzt frage ihn immer: „Trinken Sie wohl zu viel?“ Auf das rechte Maß kommt es an, gerade beim Trinken.

Ich habe einmal in einem medizinischen Vortrag gehört, ein erwachsener gesunder Mensch könne fast zwei Monate ohne Essen überleben, aber höchstens vier Tage ohne Trinken. Ein kleiner Junge ist kürzlich in Thüringen gestorben, weil er verdurstet ist, als die Mutter einige Tage weg war. Der Mensch besteht eben zu zwei Dritteln aus Wasser. Beim Trinken sind 26 Muskelgruppen beteiligt, außerdem das Schluckzentrum im Hirnstamm und fünf Hirnnervenpaare. Nur wenn dies alles gemeinsam funktioniert, fließt die Flüssigkeit von der Mundhöhle durch Rachen und Speiseröhre in den Magen. Der Mensch schluckt etwa 2000 Mal am Tag! Wie wichtig und unauffüllbar das Trinken ist, kann man daran sehen, dass wir zwar das Wort „satt“ in unserer Sprache haben für eine ausreichende Nahrungsaufnahme, aber kein entsprechendes griffiges Wort für gesättigte Flüssigkeitsaufnahme.

 

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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