Zeitdiagnose 2019 | Teil 02
Die große Wende vor 40 Jahren

Der Besuch von Papst Johannes Paul II. vom 2. bis 10. Juni 1979 in seinem Heimatland Polen hat viel zum Sturz des Sowjet-Kommunismus beigetragen.
  • Der Besuch von Papst Johannes Paul II. vom 2. bis 10. Juni 1979 in seinem Heimatland Polen hat viel zum Sturz des Sowjet-Kommunismus beigetragen.
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Wer in den letzten Tagen die medialen Analysen zur Machtübernahme von Ajatollah Khomeini im Iran aufmerksam verfolgt hat, konnte viel über dieses Wendejahr 1979 für die islamische Welt lesen.

In der Tat war es ja so, dass mit der Flucht des eng mit den USA verbündeten Schah Mohammed Reza Pahlevi am 16. Jänner und der Rückkehr von Khomeini aus seinem französischen Exil am 1. Februar sowie mit der politischen Machtübernahme durch Mehdi Basergan am 11. Februar ein neues islamisches Selbstverständnis entstanden ist, das noch im selben Jahr an zumindest zwei weiteren geopolitischen Hotspots zu nachhaltigen und global relevanten Verwerfungen geführt hat.

Am 20. November, dem Neujahrstag des Jahres 1400 nach moslemischer Zeitrechnung, stürmten radikal-militante Islamisten die Große Moschee in Mekka. Dieses Datum wurde nicht zufällig gewählt, war doch das Jahr 1400 bei vielen Moslems mit der Idee der „Endzeit“ eng verbunden. Zwar gelang es den saudischen Herrschern, diese Besetzung mit großem Blutvergießen und anschließenden Massenhinrichtungen niederzuschlagen, doch dieser „Krieg des Islams gegen sich selbst“ (Navid Kermani) führte zu einer verstärkt wahhabitisch geprägten – und somit religiös fundierten – Politik in Saudi-Arabien.

Das dritte in diesem Zusammenhang immer zu Recht erwähnte Ereignis war der Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan am 27. Dezember 1979. Ähnlich wie in Ungarn 1956 und in der Tschechoslowakei 1968 ging es den Sowjets auch hier um die Sicherung ihres politischen Einflusses in einem unmittelbaren Nachbarstaat. Der Ausgang der Geschichte ist bekannt: Eine Allianz aus islamischen Parteien und deren Guerilla-Truppen („Mudschahedin“) konnte die Sowjetunion mit US-amerikanischer und britischer Unterstützung besiegen.

Rückkehr der Religionen.

So weit, so bekannt. Doch es greift zu kurz, dieses Jahr 1979 nur unter der moslemischen Perspektive zu sehen. Diese Rückkehr der Religion(en) auf die weltpolitische Bühne kennt zumindest noch zwei weitere markante Ereignisse: Im Juni besuchte der polnische Papst Johannes Paul II. sein Heimatland, was vor allem der oppositionellen Gewerkschaft „Solidarno´s´c“ Rückenwind gegeben hat. Und am 19. Juli stürzten die im Sinne der lateinamerikanischen Befreiungstheologie handelnden Sandinisten um den Priester und Schriftsteller Ernesto Cardenal in Nicaragua die Diktatur des Somoza-Clans.

Historiker und Politikwissenschaftler sind sich heute darüber einig, dass der angesprochene Papstbesuch ebenso wie die afghanischen Mudschahedin wesentlich zum Sturz des Sowjet-Kommunismus mit beigetragen hat. Die Kraft zweier Religionen war, so diametral sie sich letztlich manifestiert hat, letztlich stärker als ein verknöcherter atheistischer Kommunismus. Und vergessen wir in diesem Zusammenhang auch nicht die Montagsdemonstrationen in den späten 1980er Jahren in der DDR, die ihre essenzielle geistige und geistliche Wurzel in der evangelischen Landeskirche hatten.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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