Wie gehts Tier? | Teil 02
Der Mensch, der mit den Tieren spricht

Hast du diesen einen komischen Typen schon einmal gesehen? Diesen Obdachlosen, der nichts am Leib hat als ein paar Fetzen. Keine Schuhe an den Füßen. Schläft unter freiem Himmel auf einer Parkbank, in Abbruchhäusern oder unter Brücken. Lebt von dem, was andere wegschmeißen, und wandert den ganzen Tag herum. Aber irgendwie wirkt er nicht wie all die anderen.

Er schaut nicht furchteinflößend aus oder grantig. Aber trotzdem kommt er mir nicht ganz koscher vor. Beim Gehen summt er oft ein Lied vor sich hin. Und außerdem redet er mit Pflanzen und Tieren. „Bruder Baum“ hörte man ihn sagen, während er die Rinde der großen Linde am Straßenrand streichelte. Spatzen und Tauben setzen sich auf seinen Kopf, seine Schultern und Hände.

Vogelmann wäre ein guter Spitzname für diesen Fremdling. Bettelarm ist er, und doch wirkt er nicht unglücklich. „Auf was für Drogen ist der denn?“, höre ich jemanden sagen, als er wieder einmal mit den Vögeln spricht. Es scheint, als würden die Tiere ihn verstehen. Er singt, und die Vögel stimmen mit ein. Es ist ein seltsam-faszinierendes Schauspiel. Man sagt auch, dass er Tiere zähmen kann. Die Geschichte hat die Runde gemacht, dass er im Park einen wilden Hund mit gutem Zureden davon abhielt, sich auf ein Kind zu stürzen. Jemand hat es sogar mit dem Handy gefilmt. Aber auf dem Video ist nicht viel zu erkennen.

So oder so ähnlich könnte eine moderne „Legende“ über Franz von Assisi klingen. Ein paar Mitbrüder und Gefährten haben viele solcher mündlich weitererzählten Geschichten über diesen besonderen Mann aus Assisi gesammelt. Einige der Erzählungen drehen sich auch um Franziskus’ Liebe zu den Tieren. So hat er, der Legende nach, nicht nur den Vögeln gepredigt, sondern sogar einen Wolf gezähmt. Es wird auch erzählt, dass er Tiere vor der Schlachtung gerettet und aus Gefangenschaft befreit habe. Selbst Würmer habe er vom Weg aufgesammelt, damit sie nicht zertreten werden.

Von Franz von Assisi selbst sind nur wenige Schriften überliefert. Der bekannteste Text klingt uns vor allem als Lied im Ohr: „Herr sei gelobt, durch Bruder Sonne …“ Im Sonnengesang lässt Franziskus Sonne, Mond, Wasser und viele weitere Schöpfungselemente Gott loben. Auch die Tiere spricht er mit Bruder und Schwester an. Allem, was sich auf Erden regt, ist er in geschwisterlicher Liebe zugetan. Die ganze Schöpfung ist bedeutungsvoll für ihn. Er lebt eine radikale Nächstenliebe, die nichts und niemanden ausschließt oder als unwürdig ansieht. Franz von Assisi prägt damit eine neue Facette christlicher Haltung.

Unzählige Tierschutz-Organisationen, Gnadenhöfe und Tierrettungs-Gruppen tragen Franziskus oder Assisi im Namen. Franz ist zum Heiligen für Natur und Umwelt geworden und zum Vorbild für uns und unseren Umgang mit der Umwelt, der Natur und unseren Mitgeschöpfen, den Tieren.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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