Quelle des Segens - Schritte zu einer lebendigen Liturgie | Teil 09
Das liturgische Kleid

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Ob eine Gestalt von Liturgie ihrem Wesen angemessen ist, hängt in hohem Maß auch davon ab, wie hier mit dem liturgischen Kleid umgegangen wird

Diesbezüglich haben sich in deutschsprachigen und besonders auch in romanischen und slawischen Ländern viel gut gemeinter Kitsch und darüber hinaus viel lieblose Banalität etabliert. Ein stärkeres Bewusstsein von dem, was hier fehlt oder was schlicht falsch und unzumutbar ist, sollte bei den für Liturgie Verantwortlichen entwickelt werden. Kriterien für die Qualität von Paramenten sind seit dem II. Vatikanischen Konzil noch nicht formuliert worden oder haben sich kaum durchgesetzt.

Dagegen hat sich in der Zivilgesellschaft der Sinn für edle Form und Gestalt nicht nur betreffend Autos und Designerkleidung, sondern auch betreffend Haus und Wohnung gerade in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt und ist kein Privileg sehr reicher Leute geblieben. Umso befremdender muss es dann sein, wenn Liturgen bei Taufen und Begräbnissen einer liturgischen Gemeinde, der oft auch viele dem kirchlichen Leben eher Fernstehende angehören, nachlässig gekleidet gegenübertreten. Dies ist für ferner Stehende keine Einladung wiederzukommen und sich über die Form hinaus mit dem Wesen von Liturgie vertraut zu machen. Aber auch den treu Mitfeiernden bei der Sonntagseucharistie wird es angesichts solcher Dürftigkeit nicht leichter gemacht, entsprechend dem liturgischen Ruf „Sursum corda“ das Herz zu Gott zu erheben.

Ästhetische Inkompetenz kann durch Heiligkeit des Lebens kompensiert werden. Dies zeigt sich in der Zuwendung großer heiliger Frauen und Männer zumal des 19. Jahrhunderts auch zu wenig qualitätsvollen Bildern und Skulpturen. Dies dürfte aber heute kein Freibrief sein, um eine Weisung des II. Vatikanischen Konzils zu ignorieren, das gesagt hat: „Die Riten sollen den Glanz edler Einfachheit an sich haben“ (Liturgiekonstitution Art 34).

In seinem Buch „Betrachtungen über die göttliche Liturgie“, verfasst 1845 bis 1852, hat der russische Schriftsteller Nikolai Gogol über das Anlegen der liturgischen Gewänder durch Priester und Diakone gesagt: „Hierauf treten sie mit dem Antlitz gen Osten an den heiligen Tisch, verbeugen sich dreimal bis an die Erde und küssen das auf ihm ruhende Evangelium, als wäre es der Herr selber, der auf seinem Throne sitzt; dann küssen sie auch den Opfertisch und schicken sich an, die liturgischen Gewänder anzulegen, um sich nicht nur von andern Menschen, sondern auch von sich selber zu unterscheiden, um in nichts Menschen zu gleichen, die ihrem Alltagsgeschäft nachgehen. Und mit den Worten ‚Herr, reinige Du mich sündigen Menschen und sei mir gnädig!’ nehmen Priester und Diakon die Gewänder auf.“

Gogol macht so deutlich, dass diese Kleider, mögen sie schlicht oder gemäß alter Tradition prächtig sein, nicht für eine eitle Selbstdarstellung bestimmt sind, sondern für die Mitwirkung an einer Liturgie, deren Glanz ein Verweis auf die Liturgie im Himmel ist und eine Teilhabe daran.

Der Verzicht auf Alltagskleider in der Liturgie gründet auf einer sehr alten Tradition, angefangen beim weißen Kleid, das Kindern oder Erwachsenen bei der Tauffeier überreicht wird. Herausgehoben aus dem Kleiderpanorama der liturgischen Gemeinde sind auch die oft bunten Ministrantenkleider der Kinder und Jugendlichen, die diesen Dienst tun. Und mancherorts tragen Lektoren eine schlichte weiße Albe. Die durch das Weihesakrament in der liturgischen Gemeinde stehenden und ihr zugleich im Kult gegenüberstehenden Christen – Diakon, Priester und Bischof – sind dazu auch durch ihre Kleidung in Gestalt von Stola, Dalmatik und Kasel gekennzeichnet.

Diese Kleidung darf weder kitschig banal (als Ersatz für wahre Festlichkeit) noch lieblos dürftig (als Ersatz für edle Schlichtheit) sein. Die Heilige Schrift und die daraus schöpfende Liturgie sind reich an oft hymnischen Worten über das Kleid als Symbol für die göttliche Gnade. Ein kostbares Beispiel dafür ist der Introitus der Eucharistiefeier am 8. Dezember als Hinweis auf Maria, die Mutter Jesu Christi und Mutter der Kirche. Er lautet übersetzt:

„Voll des Frohlockens bin ich im Herrn, und meine Seele jauchzt auf in meinem Gott; denn er hat mich gekleidet in Gewänder des Heiles, hat mich umhüllt mit dem Mantel der Gerechtigkeit, wie eine Braut im Schmucke ihres Geschmeides (Jes 61,10).

Dr. Egon Kapellari, Diözesanbischof

Entwicklungen liturgischer Bekleidungen zeigt derzeit das Diözesanmuseum Graz mit der Ausstellung „Sonntagsg‘wand und Alltagspracht“ in der Bürgergasse 2.
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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