APROPOS Jesus | 60 Fragen - 60 Antworten
51. Kommt Jesus wieder?
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Marána tha!“ (Unser Herr, komm!) – Mit diesem aramäischen Ausruf (vgl. 1 Kor 16,22) bekunden schon die ersten christlichen Gemeinden ihre Überzeugung: Jesus kommt wieder. Er ist nicht bloß eine Gestalt der Vergangenheit, nein, er lebt und wirkt jetzt, und ihm gehört auch die Zukunft! Das Gute, das mit ihm begonnen hat, wird sich am Ende der Tage als Sinn des Ganzen herausstellen. Poetisch ausgedrückt: Dann „erscheint“ Jesus „in Herrlichkeit“.
Die Evangelien sprechen dabei von einem Kommen „auf den Wolken“. Was meinen sie damit? – Schon Jesus selbst und später auch die christlichen Gemeinden greifen, wenn sie über das Ende der Welt nachsinnen, auf Hoffnungsbilder der damals gern gelesenen jüdischen Schriften zurück. So finden sie im Buch Daniel die Traumvision über den Lauf der Weltgeschichte: Mehrere Raubtiere treten auf – sie verkörpern grausame Regime – und lösen einander ab. Schließlich kommt „mit den Wolken des Himmels einer wie ein Menschensohn“ (Dan 7,13). Ihm übergibt Gott dann die endgültige Herrschaft. („Menschensohn“ heißt hier so viel wie „wahrer Mensch“, Inbegriff der Humanität.) „Wolken“ symbolisieren in der Bibel göttliche Nähe (vgl. Ex 19,9). Die Hoffnung dieses Traumes ist also unschwer zu deuten: Die Geschichte der Menschheit wird trotz bestialischer Grausamkeiten nicht im Chaos enden, sondern Gott stellt ihr ein schönes Ziel in Aussicht. Christlicher Glaube sieht dieses Ziel in Jesus verkörpert: Er ist der kommende „Menschensohn“.
Die Evangelien sprechen aber auch davon, dass Jesus als „Richter“ kommen wird. Was bedeutet das? – Schon das Alte Testament kennt die Hoffnung, dass Gott ein „gerechter Richter“ ist, der das Leid der Armen, Geknechteten, Hingemordeten nicht übersieht, sondern den Entrechteten zu ihrem Recht verhelfen und ihr Elend zum Guten wenden wird – wenn nicht in dieser Welt, dann in der neuen. Für die Evangelien ist Jesus der Bringer der Gerechtigkeit: Das Leben mag oft ungerecht sein, vielleicht sogar schmachvoll enden, aber der von Gott Auferweckte kann auch jenseits des Todes alles Verletzte heilen, alles Unrecht überwinden! Wenn es also im christlichen Credo heißt, dass Jesus als „Richter“ kommt, ist das vor allem eine Botschaft der Hoffnung.
Aber in den Gleichnissen vom Gericht ist auch von der Verurteilung und Verdammnis der Ungerechten und Selbstgerechten die Rede. Also doch eine Drohbotschaft? – Nein, eher eine Warnung, die daran erinnert: Jeder Mensch muss sich am Ende seines Lebens für sein Verhalten verantworten. Er wird dabei – so die christliche Präzisierung – Jesus begegnen und im Blick auf Jesus erkennen, wo sein Leben der Liebe entsprochen hat und wo nicht (vgl. Mt 25,40 und 45). Vielleicht sieht er im Antlitz des „Menschensohnes“ die Gesichter all derer, die er während seines Lebens geliebt bzw. verletzt hat. Diese Begegnung kann ihn läutern und reinigen, vielleicht schmerzhaft, aber heilsam. (Das ist wohl auch der Kern der katholischen Fegefeuer-Lehre; vgl. auch 1 Kor 3,12–15). Nur wer bis zuletzt ohne Reue selbstgerecht am Bösen festhält, könnte in dieser Begegnung Jesus als fremd, ja sogar abstoßend empfinden ... Das wäre tatsächlich die Hölle. (Es ist zu hoffen, dass niemand so verstockt ist.)
Viele fragen auch: Wann kommt denn der „Jüngste Tag“, das Ende der Welt? – Zu allen Zeiten neigen Menschen, die sehnsüchtig oder angstvoll auf das Ende der Welt warten, zur Annahme, es stehe unmittelbar bevor. (Auch die junge Kirche dachte so.) Aber es lässt sich nicht terminlich fixieren. (Man kann bestenfalls sagen, dass für den Einzelnen bereits mit dem eigenen Tod sein Ende der Welt gekommen ist; das große Weltende wäre dann gleichsam die Zusammenschau aller individuellen Welt-Enden.) Der biblische „Jüngste Tag“ oder „Letzte Tag“ ist wohl genauso wenig wörtlich zu verstehen wie die „Schöpfungswoche“ am Anfang der Bibel. „Tag“ ist hier keine messbare Zeiteinheit, sondern poetischer Ausdruck für die göttliche Kreativität: Sie wird alles, was sie erschaffen hat, in Liebe vollenden, „damit Gott alles in allem sei“ (1 Kor 15,28). Wann und wie das geschieht, weiß niemand. Aber dass es geschieht, davon sprechen viele Gleichnisse und Hoffnungsbilder in der Botschaft Jesu.
Karl Veitschegger
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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