APROPOS Jesus | 60 Fragen - 60 Antworten
48. Was heißt „Auferstehung von den Toten“?

Die Ausdrücke „Auferstehung von den Toten“ und (besser) „Auferweckung von den Toten“ stammen aus dem Judentum und sind zur Zeit Jesu vielen geläufig. (Später werden sie auch von Christentum und Islam übernommen.) Sie benennen eine große Hoffnung: Gott vergisst seine verstorbenen Getreuen, deren Leben auf dieser Welt oft sehr entbehrungsreich und viel zu kurz war, nicht in der „Scheol“ – so bezeichnet das Alte Israel das trostlose Totenreich –, sondern er wird sie am Ende dieser Weltzeit „auferwecken von den Toten“ zu einem neuen, vollen, unzerstörbaren Leben. Wie dieses endgültige Leben dann aussehen könnte, dazu gibt es damals verschiedene Vorstellungen, die oft weit voneinander abweichen. Manche sind grob sinnlich, andere höchst subtil. Viele im Judentum erwarten für den „jüngsten Tag“ auch eine Auferweckung aller Toten, bei der die Guten belohnt und die Bösen bestraft werden.

Interessant ist nun, dass die Jünger und Jüngerinnen Jesu genau die Ausdrücke „Auferstehung“ und „Auferweckung“ verwenden, um auszudrücken, was in ihren Augen mit dem gekreuzigten Jesus schon jetzt, kurz nach seiner Hinrichtung, geschehen ist. Sie bekennen damit: Er ist lebendiger denn je – auf neue, ganz andere, endgültige Weise.

Wie hat der „Auferweckte“, der seinen Jüngern und Jüngerinnen „erschienen“ ist, „ausgesehen“? – Dazu erfahren wir aus den ältesten Texten des Neuen Testamentes (z. B. Paulusbriefe) nichts. Auch die später (zwischen 70 und 100 n. Chr.) entstehenden Evangelien sind diesbezüglich zurückhaltend, obwohl sie sich bereits bemühen, das Unvorstellbare und Unbeschreibliche in ihren Ostererzählungen anschaulich zu machen und durchaus poetisch „auszumalen“. Erst das letzte Buch des Neuen Testamentes, die Offenbarung des Johannes, versucht die Gestalt des auferstandenen Jesus, der jetzt in der Herrlichkeit Gottes lebt, näher zu „beschreiben“ (vgl. Offb 1,12–18). Aber auch das ist freilich nur eine Vision, also das imaginierte Erleben von etwas eigentlich Unbeschreiblichen.

Was bedeutet das? – Was damals zu Ostern im Jahr 30 mit Jesus geschehen ist, bleibt letztlich ein Geheimnis. Wenn wir die biblischen Zeugnisse kritisch lesen und ernst nehmen, können wir sagen: „Auferstehung“ ist weder einfach die Wiederbelebung eines Leichnams noch bloß die geistige Weiterexistenz einer Person, noch nur ein inneres Erlebnis der Jünger und Jüngerinnen. „Auferstehung“ ist mehr. Sie übersteigt (wie die Wirklichkeit Gottes selbst!) naturwissenschaftliche, psychologische und historische Kategorien. Was immer den Jüngern und Jüngerinnen damals genau widerfahren ist, es bedeutet für Christenmenschen bis heute: Jesus lebt wirklich – auf eine neue, unvorstellbare Weise – in Gott, unter uns und in uns! Die Inhalte seiner Botschaft sind aktueller denn je, seine Worte „Geist und Leben“ (Joh 6,63). Der Glaube an ihn befähigt auch heute viele, zuversichtlicher, aufmerksamer und großzügiger zu leben. Angst, Bosheit, Leid und Tod haben nicht das letzte Wort.

Karl Veitschegger

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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