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Und was fasten Sie?

Diese Frage dominiert (meist zu Beginn) die „österliche Bußzeit“, besser bekannt als Fastenzeit. Diesmal verraten uns die Journalismus-Studentin Maria Wilbrink und der Franziskanerpater Fritz Wenigwieser, was sie fasten und warum sie es tun.

Reduzieren, verzichten, ...
Fasten ist „in Mode“. Der gesundheitliche Aspekt des Verzichts hat sich herumgesprochen. AnbieterInnen von Saftkuren und Fastenwochen werden gefühlt immer mehr und versprechen oft sehr viel: ein ganzheitliches „Reset“ – technisch formuliert ein Zurücksetzen auf Werkseinstellung – von Körper und Geist. Mit Entgiftung und Reinigung – nicht nur der Zellen, sondern auch der inneren Einstellung und der eigenen Gewohnheiten – werben sie. ChristInnen fasten auch aus anderen Gründen. Die Erst-Fasterin Maria Wilbrink und der Fasten-Routinier Franziskanerpater Fritz Wenigwieser geben Einblick in ihre Erfahrungen mit dem Fasten.

Ich gebe dem Fasten erstmals eine Chance und faste Alkohol und Nikotin.

Maria Wilbrink

studiert „Journalismus und Public Relations“ an der FH Joanneum und absolviert derzeit ein Praktikum beim SONNTAGSBLATT.

Fasten ist biblisch, daran besteht kein Zweifel. Ich glaube allerdings, dass Fasten nicht auf eine bestimmte Zeit beschränkt ist, sondern jederzeit praktiziert werden kann, um Ballast loszuwerden, um sich zu reinigen und mehr Zeit zu finden für das Wesentliche. Oder schlichtweg, um schlechte Angewohnheiten loszuwerden, wie in meinem Fall. Ich gebe dem Fasten heuer in den 40 Tagen vor Ostern eine Chance und faste Alkohol und Nikotin. Beides konsumiere ich gelegentlich. Aber oft genug, dass mir mein Gläschen Wein am Wochenende und auf der einen oder anderen Feier die Tschick abgehen. Beim Fasten geht es mir nicht um die Einhaltung eines Gebotes, sondern um die Möglichkeit, mich von weltlichen Dingen zu lösen und Platz für das Wesentliche zu schaffen. Deshalb verzichte ich bis Ostern darauf – oder vielleicht auch länger.

Loslassen
Wie Gott im ersten Samuelbuch (1 Sam 16) sagt, schaut er auf das Herz. In Jesaja warnt er davor, nur des Fastens willen scheinheilig zu handeln. Wie immer geht es um die innere Einstellung. Warum faste ich? Weil ich Ungesundes faste. Aber vor allem, um loszulassen. Wie es in Jesaja heißt: „Lass frei, auf die du das Joch gelegt hast!“ Fasten ist nicht nur ein Verzicht auf Dinge, die ich genieße, sondern auch eine Möglichkeit, mich von unnötigem Ballast zu befreien. Es schafft Raum für den, dem alle Ehre gebührt. Der uns nichts Gutes verbieten möchte, sondern besser als wir weiß, was wir wirklich brauchen: nämlich ihn.
Und wer weiß, vielleicht verzichte ich nächstes Jahr auf etwas, das für mich schwerer zu entbehren ist.

Was wir durch Fasten an Aufwand sparen, soll dem Nächsten zugutekommen.

Pater Fritz Wenigwieser OFM

stammt aus Engerwitzdorf im Mühlviertel (ÖO), lebt in Salzburg und ist Provinzialminister der Franziskaner in Österreich und Südtirol.

Fasten ist vom Hungern zu unterscheiden. Während beim Hungern der Körper seine Substanz angreift, bedeutet Fasten, dass er Giftstoffe reduziert. Hungern ist negativ gekennzeichnet, Fasten positiv. Wenn wir Christen vor Ostern fasten, dann lassen wir uns auf eine Reinigung ein. Mir scheint, dass die Rede vom „Verzichten“ oft negativ konnotiert ist. Lieber als „verzichten“ würde ich also sagen, dass es um ein „Loslassen“ geht.
Zunächst stellt der Körper um: Wenn die Zufuhr von fester Nahrung aufhört, dann beginnt man, die Kraft von innen zu nehmen. Ab diesem Zeitpunkt – wenn der Körper von innen die Energie um- bzw. abbaut – beginnt ein Fasten, das auch eine spirituelle Dimension hat. Die innere Reinigung öffnet den Menschen auf Gott hin. Im heurigen Jahr verzichte ich auf Zucker. Aber Vorsicht, das Fasten ist keine Schocktherapie: Es will vorbereitet sein. Ein richtiges Fasten beginnt und endet stufenweise: Ungefähr bedarf es dreier Tage Anlauf und ebenfalls dreier Tage zum Übergang am Schluss. Gestufte Übergänge und eine geplante Routine sind Voraussetzung für das Gelingen.

Vorösterliche Reinigung
Der Reinigungsprozess beim Fasten ist nicht nur physisch. Eigentlich müsste man jedes Fasten mit einer Beichte beginnen, denn das Loslassen von Gift ist nicht nur körperlich wichtig. Es soll den ganzen Menschen erfassen. Vorösterliche Reinigung ist auch die Reinigung unserer Beziehungen. Was wir durch Fasten an Aufwand sparen, soll dem Nächsten zugutekommen. Ein solcher Prozess braucht Zeit und Übung. Wir ChristInnen haben jedes Jahr 40 Tage dafür.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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