Vor den Vorhang
Die Saat geht auf
- Bei der Romero-Preis-Verleihung am 14. Oktober 2025 waren Ludwig und Melitta Wuchse mit ihrer Enkeltochter Julia (l.). Im Zuge ihres Auslandsjahres in Peru kamen die Großeltern mit Preisträger Luis Zambrano in Kontakt. Das Ehepaar organisierte auch auf internationaler Ebene Diakon-Treffen.
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Ludwig und Melitta Wuchse. Der Ständige Diakon und seine Frau über die Anfänge des Ständigen Diakonats in der Steiermark.
Ein liebevoll geschmückter Tisch, gedeckt mit Lebkuchen und mit Tee, in einer Küche, die Wärme ausstrahlt und Geborgenheit. So freundlich, wie das Haus, in dem die Jause wartet, so herzlich sind seine Bewohner.
Weit länger als ein halbes Jahrhundert leben Ludwig und Melitta Wuchse in ihrem selbstgebauten Einfamilienheim in Hausmannstätten. Vier Kinder sind hier groß geworden, zwölf Enkelkinder gehen ein und aus, und neben familiären Gesprächen haben die Wände auch viel seelsorglich Anvertrautes gehört. Ludwig Wuchse ist seit 50 Jahren Diakon, und mit ihm trägt auch Melitta Wuchse dieses Amt. Er hätte seinen Dienst nicht tun können ohne die Frau an seiner Seite, sagt er. Besonders schön sei es für sie gewesen, wenn er bei Taufen und anderen Feiern dazu angehalten worden ist, seine Familie mitzubringen, sagt Melitta und erzählt von den Anfängen als Paar vor über 60 Jahren.
Am Weg zu einer Osterliturgie im deutschen Rothenfels lernten Ludwig und Melitta einander kennen. Sie, die junge Schneiderin aus Tirol, hatte das Christentum in ihrer Kindheit weniger als Frohbotschaft und „mehr als Drohbotschaft“ erfahren. Er, ein Student, der seinen Vater schon als Vierjähriger an den Krieg verlor, war zwar bescheiden aufgewachsen, aber religiös ungezwungen und „völlig frei“.
Ostern und Weihnachten zugleich. Über eine Arbeitskollegin kommt Melitta in Kontakt mit Pfarrer Arnold Heindler, den Ludwig von der Religionspädagogischen Akademie in Eggenberg her kennt. Als Melittas Fahrzeug vor der deutschen Grenze schlapp macht, beschließt die fünfköpfige Gruppe rund um Priester Heindler den restlichen Weg zur Osterliturgie per Autostopp zurückzulegen. Ludwig und Melitta fahren gemeinsam zur Auferstehungsfeier. „Als wir zurückgekommen sind aus Deutschland, waren wir uns soweit nähergekommen, dass wir nach einem Monat sagten: ‚Wir heiraten‘“, erzählt Ludwig mit Blick auf seine Frau. „DU hast gesagt ‚Wir heiraten‘“, wirft diese ein und lacht. Zu Pfingsten 1965 ging es dann nach Innsbruck, wo er um ihre Hand anhielt, und Weihnachten drauf wurde geheiratet. „Wenn ich einmal etwas entschieden habe, dann stehe ich dazu“, sagt Ludwig, und Melitta schmunzelt. „Lange ausgehalten“, lacht sie.
Sich freigeben für den Dienst. Genauso klar wie seine Ehe mit Melitta, ist für ihn auch die Weihe zum Ständigen Diakon. Ludwig, der sein Mathematik- und Physik-Studium nach drei Semestern für die Theologie aufgibt, unterichtet mittlerweile Religion. Noch keine 30, schreibt er am Volksschullehrplan mit, der bis 1985 beibehalten wird. 1973 beruft Bischof Johann Weber ihn zum Religionsfachinspektor für die Steiermark – mit erst 33 Jahren. Im selben Jahr beschloss man in der Diözese, im Anschluss an das Zweite Vatikanum und den „Österreichischen Synodalen Vorgang“, die Einführung des Ständigen Diakonats. In Vorarlberg wurde das bereits 1967 verwirklicht, später auch in Wien und Niederösterreich. In der Steiermark rief man dazu den Diakonatsrat ins Leben, in den Bischof Weber 1973 auch Ludwig Wuchse holt (siehe Spalte links). Als fachliche Voraussetzung für die Weihe gelten bis heute das Theologie-Studium, der theologische Fernkurs, eine Religionslehrer- oder Pastoralassistenten-Ausbildung „oder eine andere, adäquate Ausbildung“, so Wuchse. Am 8. Dezember 1975 wurden die ersten fünf Ständigen Diakone geweiht. Einer davon ist Ludwig Wuchse.
Rolle der Frau. Der heute 84-Jährige findet im Rückblick spannend, dass zeitgleich mit dem Diakonat des Mannes auch dasjenige der Frau im Diakonatsrat Thema war. Dafür seien die so genannten „Pfarrschwestern“ angedacht gewesen – Klosterschwestern, die in den Pfarren tätig und „sehr beliebt“ waren. Ludwig zeigt ein Protokoll mit dem Titel „Gutachten zur Diakonatsweihe der Frau.“ Auch wenn er damals schon befürchtete, dass es wohl nicht bald Realität werde, sollte es im Diakonenrat Thema sein.
Die Frauen und Familien der Diakone waren von Anfang an in die Ausbildung der Männer miteingebunden, betont Melitta. Bischof Weber sei einst mit ihr und den Ehefrauen der anderen verheirateten Diakon-Anwärter nach Wien gefahren – zum Austausch mit den bereits Geweihten und deren Frauen. Das Treffen war ernüchternd, und Melitta, die viele Jahre lang Sprecherin der steirischen Diakon-Frauen gewesen ist, erkannte: Dieses Weiheamt braucht neben einem Ständigen Diakon auch dessen Frau.
„Einer von uns.“ „Zuerst seid ihr Diakone in euren Familien“, predigte Bischof Weber den Ständigen Diakonen. Ihr Dienst am Nächsten bedeute für die Familien aber auch, den Vater und Ehemann zum Wohle anderer immer wieder zu entbehren. Als Ludwig Wuchse am Anfang seines Diakonats in Hausmannstätten ein betagtes Ehepaar im Auto mitnimmt, merkt er, dass ihn die Menschen in der Pfarre angenommen haben. Hinter dem Fahrer sitzend, sagt die ältere Frau zu ihrem Mann: „Das hier ist unser Diakon.“ Ludwig Wuchse hat dieser Satz „unendlich viel bedeutet“. „Ich fühlte mich angenommen“, erinnert er sich.
In Tauffeiern nahm er die neuen Erdenbürger in die Gemeinschaft Jesu auf, in Grabreden verabschiedete er jene, die schon vorausgegangen waren. In unzähligen Gesprächen gab er als Ständiger Diakon Trost, und seine Frau Melitta tat es ihm gleich. „Geborgenheit“, antwortet Ludwig Wuchse auf die Frage, was ihm der Glaube bedeute, und: „Lieben zu lernen“. Als einen der steirischen Pioniere berührt es ihn besonders, dass am 9. November 2025 in der Steiermark gleich zwölf Männer zu Ständigen Diakonen geweiht wurden – so viele, wie noch nie zuvor. „Ich freue mich darüber, dass die Saat aufgegangen ist, die ich vor 52 Jahren mitgesät habe“, sagt er zufrieden. „Das ist einfach schön.“
Anna Maria Steiner
50 Jahr-Jubiläum
- Laut Protokoll der 1. Sitzung des Diakonatsausschusses waren am 16. April 1973 auch die zukünftigen Diakone anwesend – unter ihnen Ludwig Wuchse.
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Ständige Diakone
Nachdem die ersten sieben Diakone (altgriechisch διάκονος, diákonos „Diener, Helfer, Bote“) bereits in der Apostelgeschichte (Apg 6,1–7) erwähnt sind und in der frühen Kirche Männer wie Frauen gleichermaßen das Amt ausübten, geriet dieses ab dem 3. Jh. in den Hintergrund. Der Diakonat, den es auch in den evangelischen, anglikanischen, orthodoxen und altkatholischen Kirchen gibt, verkümmerte in der katholischen Kirche zusehends zu einer Durchgangsstufe am Weg zum Priestertum.
Das Amt des Ständigen Diakons wurde mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) wieder eingeführt. Ein Ständiger Diakon bleibt, wie schon der Name sagt, auf dieser Weihestufe (und wird später nicht mehr Priester). Verheiratete Diakone müssen ein Mindestalter von 35 Jahren aufweisen und mindestens fünf Jahre verheiratet sein. Unverheiratete verpflichten sich, zölibatär zu leben und können mit 25 Jahren geweight werden. Ständige Diakone gehören dem Stand der Kleriker an.
In der Steiermark wurde auf Betreiben von Bischof Johann Weber (1927–2020) im Jahr 1973 im Diözesanrat ein Diakonatsrat forciert (siehe oben). Auch Ludwig Wuchse war dort vertreten. Zwei Jahre später war er unter den ersten fünf Männern der Diözese Graz-Seckau, die am 8. Dezember 1975 im Grazer Dom zu Ständigen Diakonen geweiht wurden.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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