Filmpreis-Kommentar
Preisgekrönter Film

Die preisgekrönte Kurzdokumentation „How to disappear. Deserting from Battle-field“ wirft an Hand eines Computerspieles politische, soziale und philosophische Fragen zum Thema Fahnenflucht auf.
  • Die preisgekrönte Kurzdokumentation „How to disappear. Deserting from Battle-field“ wirft an Hand eines Computerspieles politische, soziale und philosophische Fragen zum Thema Fahnenflucht auf.
  • Foto: Total Refus
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Preis der Diözese Graz-Seckau für den besten Kurzdokumentarfilm im Rahmen der Diagonale.

Der mit 4000 Euro dotierte Preis für den besten Kurzdokumentarfilm, gestiftet vom Kulturzentrum bei den Minoriten, geht an „How to disappear“ des Regie-Trios Robin Klengel, Leonhard Müllner, Michael Stumpf.
„Wie können wir im Virtuellen über das Reale erzählen? In Zeiten, in denen wir uns vermehrt in Räume bewegen, in denen das soziale Miteinander neu verhandelt wird, eröffnet dieser Film einen ungewöhnlichen Blick auf die Geschichte der Fahnenflucht, aber nicht nur das: Das filmische Werk lässt uns die Geschichte des Krieges über die Kulisse der Spielindustrie wahrnehmen, indem Systeme hinterfragt werden, die moralischen und ethnischen des Krieges sowie die der Unterhaltungsindustrie. Mit Feingefühl für Ironie und Poesie, aus einer Perspektive von außen und zugleich aus der Mitte des Geschehens fragt der Film nach Formen des Widerstands und der Disziplin in unterschiedlichen Räumen. Eine weibliche Stimme kommentiert und durchbricht dabei die männlichen Spielwelten“, lautete die Begründung der dreiköpfigen Jury:
Johannes Gierlinger (Beste Kurzdoku „Remapping The Origin“ 2019), Manfred Koch (ehemaliger Leiter der Medienzentrale Bamberg) und Antoinette Zwirchmayr (Beste Kurzdoku „Der Zuhälter und seine Trophäen“ 2014; Innovatives Kino „Josef“ 2016).

Die Regisseurin betont die Relevanz des Preises: „Besonders jetzt wird sehr sichtbar, wie essenziell Kunst ist – wie Kunst Städte und soziale Gefüge formt“, und geht auf die besondere Situation der Online-Sichtungen ein: „Kinofilme am Computer zu sichten und die Jurysitzung online zu führen ist fern zwar von ideal, aber ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewohnte Methoden.“

Für den Preisstifter stand die Weiterführung des Preises nie zur Debatte: „Mir war es wichtig, dass wir in diesem Jahr, wo die Diagonale als ‚leibhaftiges‘ Festival nicht stattfinden kann, unsere Kooperation gerade jetzt nicht aussetzen. Das heißt, den ‚Preis für den besten Kurzdokumentarfilm‘, lange von der Diözese Graz-Seckau und seit nunmehr fünf Jahren vom KULTUM gestiftet, gibt es für mich selbstverständlich auch heuer. Ich sehe das auch als eine Form von Unterstützung für zeitgenössisches Kunst- bzw. Filmschaffen“, so Johannes Rauchenberger, Leiter des Kulturzentrums bei den Minoriten.

Die Preisverleihung wird im Herbst nachgeholt. Sobald es irgendwie möglich ist, möchte Rauchenberger auch den Preisträgerfilm öffentlich im KULTUM vorstellen.

Zum Film
Was ist ein Deserteur?
Das Computerspiel „Battlefield V“ wird in „How to Disappear“ von den Regisseuren zur Folie erklärt, anhand derer politische, soziale und philosophische Fragen zur Fahnenflucht aufgeworfen werden. Was geschieht im Spiel, wenn sich ein Soldat zu weit vom Kampfplatz entfernt? Zunächst verliert die künstliche Welt all ihre Farben. Dann markiert die höhere Macht (die Software) die Figur mit dem Wort „deserting“ und vernichtet sie: „Desertion can not be played.“ Damit entledigen sich Games der ambivalenten Figur des Deserteurs mitsamt ihren Rollen, die das filmische Essay um so schärfer herausarbeitet. Ein Antikriegsfilm im wahrsten Sinne des Wortes.

Trailer

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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