Interview mit Andrea Fournier
Ein cooles Gloria

Die Kirchenmusikerin Andrea Fournier verlässt nach 24 Jahren Graz in Richtung Salzburg und übernimmt dort als erste Frau die Stelle der Domkapellmeisterin.
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Andrea Fournier wird Domkapellmeisterin in Salzburg. Ein Rückblick auf 24 Jahre Kirchenmusik in Graz.

Sie waren 24 Jahre in der Grazer Stadtpfarre für die Kirchenmusik zuständig. Worauf blicken Sie zurück? Was war herausfordernd und was ist gelungen?
Auf 24 Mal Weihnachten, Karwoche und Osternacht. (lacht) Und natürlich auch auf viele tolle Konzerte und Aufführungen. Herausfordernd war sicher, dass ich sehr jung, direkt vom Studium und in Graz noch unbekannt in diese Arbeit gestartet bin. Zudem musste ich fast einen komplett neuen Chor aufbauen. Ich habe mit einer tollen Studierendengruppe gestartet und blicke heute mit Stolz und Freude auf die Chöre: Eltern singen im Erwachsenen-Chor, ihre Kinder in den Kinder- und Jugendchören. Die Zahl der Leute, inklusive Kinder und Jugendliche, die ich in meinen Chören in diesen Jahren hatte, geht bestimmt auf die Tausend zu. Aber auch rund um die Orgel war immer viel zu tun: Pflege und Umbauten und kürzlich das 50-Jahr-Jubliäum der Rieger-Orgel, wo auch eine CD aufgenommen wurde.

Einer Ihrer großen Arbeitsschwerpunkte sind Kinder- und Jugendchöre. Wie kann man Jugendliche für klassische Musik begeistern? Verraten Sie uns Ihre Tricks?
Wenn es Tricks gäbe, dann könnte es ja jeder. (lacht) Ich denke, es hängt an der Person. Ob man einen Draht zu den Kids aufbauen kann. Ob sie spüren, dass man sie ernst nimmt und Spaß dabei hat. Das ist das Um und Auf. Wenn ich sage, das Gloria von Vivaldi ist cool und wenn ich es auch so transportiere, dann springen die Jugendlichen leichter auf den Zug mit auf, als wenn ich sage, wir machen jetzt ein schweres, kompliziertes klassisches Stück. Natürlich braucht es mehr Geduld. Ich habe auch Durststrecken erlebt.
Außerdem ist Kinder- und Jugendchor-Leiten kein 60-Minuten-in-der-Woche-Job. Im Sommer sind wir auf Chorreise gefahren und haben neben dem Üben und Singen auch Freizeitaktivitäten unternommen. Kinder müssen im Chor Gemeinschaft erleben. Sonst kommen sie nicht wieder. Zudem braucht es auch andere pädagogische Kompetenzen als bei Erwachsenen-Chören.

Was für eine Bedeutung hat Musik im Gottesdienst für Sie?
Musik ist für mich die höchste Form der Verkündigung. Mit Musik spricht man Menschen auf einer Ebene an, die man mit Worten nicht erreichen kann. Musik ist keine Umrahmung des Gottesdienstes, sondern integraler Bestandteil jeder gottesdienstlichen Feier. Ein schwieriges Thema ist der Volksgesang. In der Stadtpfarre wechselt die Feiergemeinde sehr. Es gibt mehr Fluktuation bei den Gottesdienst-BesucherInnen, als wahrscheinlich in ländlicheren Gegenden. Das macht das Einüben eines gemeinsamen Liedgutes nicht einfach. Ich habe dann auf kürzere, eingängige Liedrufe und Wechselgesänge mit dem Kinderchor gesetzt, um Menschen zum Mitsingen zu motivieren. Denn es ist so wichtig, dass es Orte gibt, wo gemeinsam gesungen wird.

Haben Sie als Kirchenmusikerin konkrete Wünsche an Gottesdienst-LeiterInnen?
Der größte Wunsch ist wohl, dass man nicht aneinander vorbei „feiert“. Das wendet sich aber in beide Richtungen: Die KirchenmusikerInnen sollten mit der Liedauswahl auf die liturgischen Text, Bibellesungen und Zeit im Jahreskreis so gut es geht eingehen. Aber auch die Gottesdienst-LeiterInnen auf die Musik. Es darf kein Konkurrenzdenken herrschen, sondern ein Miteinander und gegenseitige Wertschätzung. Wir gestalten den Gottesdienst schließlich gemeinsam.

Sie werden ab Herbst Domkapellmeisterin in Salzburg sein. Wie kam es zu diesem Wechsel, und wie ist das Weggehen für Sie?
Ich trug den Wunsch nach beruflicher Veränderung schon länger in mir. Meine Kinder werden langsam erwachsen und flügge. Es steht ein neuer Lebensabschnitt für mich an. Dann ist mir die Ausschreibung von Salzburg untergekommen. Ich war eine von 26 BewerberInnen aus zehn Nationen und wurde zum Vordirigieren eingeladen. Dort ist einfach der Funke übergesprungen – zwischen mir und dem Chor und auch zum Team dort. Ich gehe schon mit Freude, aber natürlich auch mit Wehmut. Ich war gerne in Graz. Aber jetzt ist etwas Neues an der Reihe.

Interview: Katharina Grager

Aviso
Am Sonntag, 3. Juli um 10 Uhr feiert die Stadtpfarre Graz ihr Pfarrfest und Andrea Fournier ihren Abschied als Kirchenmusikerin in Graz.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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