Positionen - Elisabeth Wimmer
Zaubereien
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Die ältere Dame steht im knietiefen Wasser am sonnigen See. Sie wirkt nicht ganz entspannt, ihre Hände mühen sich unter der Wasseroberfläche. Ob sie Hilfe braucht? Sie schaut kurz auf. „Ach, diese Dinger!“, schimpft sie. Nun sehe ich: Sie plagt sich mit ihren Schwimmflossen. Eine hat sie schon über den Fuß gezogen, und ihr kleines Schwimmbrett wartet am Uferschilf. „Zur Sicherheit“, sagt sie.
Ja, früher sei das mit der Beweglichkeit einfacher gewesen, „aber so ist das halt, wenn man älter wird“. Es gebe ein gutes Mittel gegen den Alterstrübsinn. Ja? „Dankbar sein“, sagt sie und fügt hinzu: „Aber ich schaff’ das oft nicht.“ Zu leicht dränge sich in den Vordergrund, was nicht mehr klappt, was mühsamer wird. Dankbar zu sein für das, was noch möglich ist und für die kleinen Momente, die einfach schön sind, das halte sie frisch.
Danke, das will ich in Erinnerung behalten, sage ich und denke, dass in jedem Lebensalter kleine geschenkte Augenblicke guttun, wenn die innere Beweglichkeit durch so etwas wie sperrige „Schwimmflossen“ gefordert wird.
Es heißt, Dankbarkeit kann man üben. Dass sie die Mühen wegzaubert, soll man nicht erwarten. Vielleicht aber kann sie manche Momente verzaubern.
Elisabeth Wimmer
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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