Positionen - Theresia Heimerl
Wenn die Masken fallen
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Ich war nie ein großer Faschingsfan. Die Maske als Vorwand für das Überschreiten zivilisatorischer (und persönlicher) Grenzen machte mir als kindlichem Zaungast von Umzügen und Faschingspartys Angst. Dementsprechend froh war ich am Aschermittwoch, wenn die Masken weggeräumt wurden.
Allerdings realisierte ich am Weg zum Erwachsenwerden, dass die Masken am Aschermittwoch nicht fallen, sondern nur gegen andere, dezentere eingetauscht werden. Das lateinische Wort für Masken im Theater ist die Persona, das Objekt, durch das die Stimme des Schauspielers hindurchtönt (personat). Beruflicher Erfolg hängt wesentlich davon ab, dass man die richtige Persona wählt und diese auch bei darstellerischen Höchstleistungen nicht verrutscht.
Freizeit-Personae gibt es viele, auch der Unterschied zwischen Alltags- und Sonntags-Persona ist oft nicht zu übersehen – wobei letztere sich durch besondere Starrheit auszeichnet, was mir als Kind im Gottesdienst ebenso Angst machte wie Faschingsmasken.
Wer in der Fastenzeit etwas neues probieren will, könnte einmal auf Personae verzichten und ganz als er/sie selbst gehen – sogar in die Kirche.
Theresia Heimerl
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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