Mutworte - Ruth Zenkert
Schlecht oder gut?
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„Die Zigeuner wollen nicht arbeiten und nicht lernen, sie haben keine Uhr und halten sich an keine Regel … .“ Wie oft hörten wir diese Sätze, als wir in Nou mit Musikunterricht begannen!
In der Schule durften wir einen Raum nutzen. Zur ersten Stunde kam eine kleine Schar, aber von Tag zu Tag wurden es mehr. Wir brauchten mehr Räume. Da wurde es dem Schuldirektor unheimlich, er schickte Kon-trollen. „Aha, da sind fast nur Zigeunerkinder dabei, die gar nicht in die Schule gehen!“ Nun sollten nur noch Kinder die Schule betreten dürfen, die auch am Vormittag zum Unterricht kamen. Wir lieferten eine Liste mit den „braven“ SchülerInnen ab und mischten unsere Roma-Freunde darunter mit dem Argument, sie würden bald am Vormittag die Schule besuchen. Es war eine langwierige Arbeit, die Geburtsurkunden zu besorgen und die Kinder in der Schule einzuschreiben.
Von Abraham lernen wir, zwischen Gerechten und Ungerechten zu unterscheiden. Nicht alle Menschen sind lieb und gut, aber niemals sind alle schlecht.
Nach der rabbinischen Lehre ist die Gerechtigkeit der Hauptpfeiler des Thrones Gottes und die Basis aller Ethik. Gerechtigkeit heißt, Schuld zu benennen, aber auch die Unschuldigen zu schützen.
Ruth Zenkert
Leiterin des Sozialprojektes ELIJAH in Rumänien.
Aus: elijah.at/bimail
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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