Positionen - Theresia Heimerl
Rechts und links
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„Manche meinen / lechts und rinks / kann man nicht / velwechsern / werch ein illtum“, schrieb der großartige Ernst Jandl vor vielen Jahren. Seine anarchistische Leserverwirrung kommt mir in der letzten Zeit in den Sinn, wenn ich Nachrichten über das politische Leben und Leiden unserer deutschen Nachbarn konsumiere.
Mein Urlaub führte mich just nach Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Auf der Insel Rügen gibt es an einem der endlosen, sandigen Küstenstreifen eine Ferienanlage, erbaut von den Nazis als elitäres Erholungsheim. Genutzt und ohne erkennbaren Stilbruch weitergebaut wurde es von den Kommunisten der DDR. Lechts und rinks kann man in dieser Anlage nicht auseinanderhalten. Totalitär waren beide, den Volkskörper wollten sie beide in der kalten Ostsee ertüchtigen, den Geist hingegen mit radikalen Ideen vergiften. Manche der mittleren Blöcke sind übrigens in ihrem Innern zu Appartements für eine zahlungskräftige Klientel umgestaltet worden. Die Urlaubssiedlung als Sinnbild für die jüngsten Wahlen? Links und rechts das Volk, in der Mitte die reichen Westdeutschen.
Ernst Jandl hätte sich sicher auch darauf einen Reim zu machen gewusst. Schade, dass der deutsche Kanzler kein Dichter ist.
Theresia Heimerl
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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