Mutworte - Sabine Petritsch
Mut(ter)
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Wie ich mich erinnere. Ich war im frühen Schwangerschaftsmonat. Eine meiner Freundinnen habe ich schon lange nicht gesehen, wir haben uns zum Essen verabredet. Ich wollte ihr nicht am Telefon sagen, dass ich das erste Kind erwarte. Wir treffen uns, es war dunkel im Lokal, viel Kerzenschein, obwohl es Mittag war. Sie sagt zu mir, du wirkst ein bisschen anders auf mich, was ist los? Dann erzähle ich, dass ich schwanger bin und wie die ersten Wochen der Schwangerschaft für mich gerade sind. Sie gratuliert. Sie sagt zu mir, du hast mich nie gefragt, warum wir keine Kinder haben. Ich sage nein, ich denke, du teilst, was du sagen willst.
Sie nickt. Sie dankt mir für meine Zurückhaltung all die Jahre über, und meint, jetzt könne sie gut darüber sprechen. Sie sieht mich an und sagt, weißt du, du bist schon immer viel mutiger gewesen als ich. Du hast den nötigen Mut, Mama zu sein. Ich verstehe nicht und blicke sie fragend an. Sie antwortet, ja es braucht Mut dazu. Es ist eine große Entscheidung. Dann sagt sie, ist dir nie aufgefallen, dass im Wort „Mutter“ Mut steckt? Damals konnte ich die Tragweite ihrer Worte nicht verstehen. Wie oft denke ich an ihre Worte zurück und erfasse diese Wahrheit langsam.
Sabine Petritsch
Theologin und zertifizierte Pastoralpsychologin
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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