Mutworte - Sabine Petritsch
Mut zum Leben
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Mit Laptop und Notizbuch habe ich mich aufgemacht, um fernab der Erreichbarkeit zu arbeiten. Ein gemütliches Bankerl, darüber ein Ahornbaum – ein idealer Ort. In Gedanken versunken merke ich gar nicht, dass ein älterer Mann vor mir steht, überrascht schaue ich ihn an. Fragt er, ob er sich für zehn Minuten auf die Bank setzen darf, es sei der schönste Platz hier und er brauche Schatten vor der Mittagssonne. Unwillig stimme ich zu. Er muss es bemerkt haben, sagt gleich, ich werde Sie nicht stören. Darüber bin ich froh.
Sein Handy läutet. Unfreiwillig werde ich zur Mithörerin. Er redet laut und energisch. Als er auflegt, sagt er zu mir, jetzt habe ich Sie nun doch gestört. Dann erzählt er, dass er seinen Kindern und Enkelkindern immer das zusagt, was er nie gewagt hätte, nämlich sein eigenes Leben zu leben; auch einmal aufzustehen und einzustehen! Daraufhin meine ich, er sei wohl streng zu sich. Sagt er, jede Zeit verlangt Mut; die Umstände schränken immer ein, egal welche – billige Ausreden, die ich immer hatte. Wir reden bis er aufbricht. Abends lese ich in Mascha Kalékos Gedicht, „Wenn man ein zweites Mal geboren würde, dann finge man das Leben anders an“, und denke an ihn.
Sabine Petritsch ist Theologin und zertifizierte Pastoralpsychologin.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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