Positionen - Elisabeth Wimmer
Mensch sein
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Heute Abend gehe ich getröstet nach Hause. Über seine Arbeit am Atlas der Sternenhimmel … der Menschenheit hat der Autor Raoul Schrott erzählt. Wie er dafür 17 Kulturen rund um die Erde in den Blick nahm: teils große wie Ägypten und Mesopotamien, über die man viel weiß, teils nahezu unbekannte, kleine Völker, die bis heute abgeschieden leben. Ihrer aller Vorstellungen vom Sternenhimmel und der Welt-Schöpfung hat Schrott beschrieben.
Wie eine riesige Info-Grafik vermittelte der Sternenhimmel schon vor Zehntau-senden (!) Jahren tradiertes Wissen über Mensch, Natur und Himmelswesen. Er war Kalender, verlässliches Navi und gab wie eine religiöse Schrift auch innere Orientierung – lang bevor Christen von Sternkundigen in Betlehem erzählen. – Gewiss bewahrte das Aufschauen zum Nachthimmel nicht vor Uneinigkeit und Gewalt, doch gab es der Sehnsucht nach Sinn einen Ort. Es half, sich im Leben zurechtzufinden, das in den Himmel hineingedeutet und aus ihm gelesen wurde. Es half, Mensch zu sein.
Heute Abend lässt sich ein uralter Hauch von weltweiter Zusammengehörigkeit spüren – eine ermutigende Gegenkraft zu manchen unverfrorenen Stimmen der Gegenwart, die Unfrieden säen. Ich hoffe, dass uns jene ewige Zusammengehörigkeit selbst stärkt, sie zu schützen und zu verteidigen.
Elisabeth Wimmer
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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