Positionen - Monika Prettenthaler
Lieblingsbuch

Seit dem II. Vatikanischen Konzil dürfen auch Katholikinnen und Katholiken die Bibel lieben und lesen. Jahrhundertelang war das anders. Der traurige Höhepunkt in der Gegenreformation: Es war verboten, die Bibel – durch Luthers Übersetzung endlich verstehbar zugänglich – auch nur zu besitzen. Heute können alle die Heilige Schrift als Gottes Wort, ausgedrückt in den Worten der Menschen, für sich entdecken. Mutig lässt sich Gott auf menschliche Verstehensbedingungen ein.
Wer die Bibel aufschlägt, steht vor der Bibliothek des Wortes Gottes: Erfahrungen der Nähe, aber auch Ferne Gottes begegnen in unterschiedlichsten Text-formen: Offenbarungs- und Lehrerzählungen, Geschichtsberichte stehen neben Mythen, prophetischen Droh- und Hoffnungsreden, Briefe finden sich genauso darin wie Sprichwörter, Lieder, Hymnen und Gebete, Gleichnisse und Streitreden …
Die Bibel zeichnet ein ungeschminktes Menschenbild: Nicht perfekt, aber „ganz“ sind viele biblische Gestalten – so lebensnah, als ob die Texte unser Leben gelesen hätten. Die Bibel stellt eine bunte Vielfalt an Gottesbildern vor. Sie lädt ein, Gott immer weiter und anders zu denken, als wir es gerade tun, und lässt uns hellhörig werden, wenn Gott klein(lich) und verkürzt behauptet wird.
Die Bibel schaut aus vielen Perspektiven auf Glauben und Menschen, Welt und Gott – das eine Evangelium Jesu formuliert sich in vier Versionen –, so vielfältig, dass wir nicht fertig werden mit dem Finden von Neuem, Noch-nie-so-Gedachtem, -Gehörtem, -Gelesenem, von Provokationen, Motivationen, Irritationen … Die Bibel – ein echtes Lieblingsbuch!

Monika Prettenthaler

Autor:

Ingrid Hohl aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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