Mutworte - David Steindl-Rast, OSB
Höhere Harmonie
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Was ist denn eigentlich „Friede“? Ist es nicht, wie die abendländische Philosophie des Mittelalters diesen Begriff verstand, „tranquillitas ordinis“, Stille, die aus Ordnung entspringt? Freilich dürfen wir da nicht an Friedhofsstille denken und nicht an ein schulmeisterliches „Ordnung muss sein!“. Friede ähnelt mehr der dynamischen Stille einer ruhig brennenden Kerzenflamme und wurzelt in jener allumfassenden Ordnung, deren Ordnungsprinzip die Liebe ist: Liebe als gelebtes „Ja“ zur Zugehörigkeit aller mit allen.
Friede, so verstanden, bezeichnet weit mehr als eine geschichtliche Periode ohne Krieg. Wahrer Friede bedeutet die harmonische Entfaltung der ganzen Fülle des Daseins. So wie in der Musik das Können eines Komponisten dissonante und konsonante Akkorde zu einer höheren Harmonie verbindet, so überbrückt und versöhnt der göttliche Friede alle Widersprüche. Selbst Zwist und Eintracht dienen gemeinsam einem höheren Ganzen. Aus dieser Sicht können wir Gott den Frieden nennen.
Und wir können diesen Frieden nicht nur in geruhsamen Zeiten erleben, sondern auch dann, wenn im persönlichen wie im öffentlichen Leben „Blitz aus Blitz sich reißt“, wie Joseph von Eichendorff singt.
David Steindl-Rast, OSB ist Österreichisch-US-amerik. Benediktiner Aus: 99 Namen Gottes, Tyrolia.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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