Offen gesagt - Leopold Neuhold
Frieden schaffen

Foto: Neuhold

Was sagt die Friedensethik dazu, wenn Panzer in die Ukraine geliefert würden?

Solidarität mit der Ukraine, einem in seiner Existenz bedrohten Land, ist in ethischer Sicht gefordert, auch weil in der Ukraine demokratische Werte und Menschlichkeit weltweit verteidigt werden. Allerdings stellt sich die Frage, wie weit diese Solidaritätsverpflichtung geht und ob sie auch die Lieferung von Kriegsgerät beinhaltet. Dazu drei Bemerkungen:

1. Kann die Existenz des Staates gegenüber dem Aggressor nur mit Panzern und anderem Kriegsgerät gesichert werden, so sind diese nach Möglichkeit zu liefern. – 2. Sollen die Waffenlieferungen nicht nur zu einer Ausweitung des Krieges (zeitlich und territorial) führen, bedarf es der Entwicklung einer umfassenden Strategie für den Frieden. Ziel kann ja nicht die Verlängerung des Krieges, sondern nur die Schaffung von Frieden mit möglichst wenigen Opfern sein. – 3. Nur in einer umfassenden Strategie für den Frieden (mit wirtschaftlichen Sanktionen, zivilgesellschaftlichen Aktionen und Friedensinitiativen, der Festigung des humanitären Völkerrechts und seiner Durchsetzungsmöglichkeit sowie Bereitschaft zu echten Verhandlungen unter Einschaltung sogenannter Dritter) können Panzer und Waffen zur Zielerreichung beitragen.

Frieden kann nicht mit Waffen allein geschaffen werden, in manchen Fällen aber leider auch nicht ohne Waffen. Diese müssen als Teil einer umfassenden politischen Friedensstrategie Einsatz finden.

Leopold Neuhold ist katholischer Theologe und Ethiker.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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