Positionen - Elisabeth Wimmer
Eh ganz lieb
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Das Lamm heißt Liesl. Lebhaft springt es vor der Berghütte in der Wiese herum und hat in den kleinen Söhnen einer Hüttengastfamilie fröhliche Spielgefährten gefunden. Für uns Erwachsene sieht das Spiel richtig süß aus.
Doch Schaf- und Menschenkinder können beim Spielen übermütig werden. Dem jüngeren Bub ist das Temperament des Lamms nicht ganz geheuer. Kein Wunder, er ist genauso klein wie das Tier und steht ihm als Einziger wirklich Auge in Auge gegenüber. Mit etwas Respektabstand ist ihm dann sichtlich wohler: Er scheint ein gutes Gespür dafür zu haben, was er braucht, um sich sicher zu fühlen.
„Das Schaf ist eh lieb, es schubst dich nur, weil es spielen will. Trau dich, trau dich!“ Die Eltern meinen es gut in ihrem Bemühen, dem Sohn seine Zögerlichkeit auszureden. Er wird stiller, sein Blick pendelt zwischen Schaf und Eltern hin und her. Sein Dilemma ist spürbar: Soll er auf die Eltern hören, auf die ja eigentlich Verlass ist – oder auf sein eigenes Gefühl?
Ich wünsche dem Kind, dass diese Situation eine Ausnahme bleibt und es sonst darin bestärkt wird, ernst zu nehmen, was es in sich spürt. Denn sich darauf verlassen zu können, ist eine wesentliche Ressource für das ganze Leben.
Elisabeth Wimmer
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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