Offen gesagt - Walter Drexler
Die Zeit der Ernte
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Gedanken zu Erntedank:
Auf dem Küchentisch liegt ein Apfel, gelb und rotbackig, so richtig zum Hineinbeißen. Ich habe ihn heute beim Spaziergang gefunden. Nun erfüllt sein Duft den ganzen Raum. Ich nehme ihn in meine Hände, bestaune seine Farben, fühle die glatte Schale, schicke meine Gedanken in sein Inneres, wo die Kerne schlummern, die ich in die Erde stecken könnte, um einen neuen Apfelbaum wachsen zu lassen. Und zugleich denke ich, wie gleichgültig wir oft so eine köstliche Frucht verspeisen, ohne mit all unseren Sinnen zu spüren, welch großes Wunder uns in einem gewöhnlichen Apfel begegnet.
Sehen Sie, genau deswegen feiern wir Erntedank! Das Fest fällt nicht zufällig in meine Lieblingsjahreszeit, den Herbst. Der Herbst ist die Zeit der Ernte, es ist die Zeit, die Früchte einzubringen und sich an dem zu freuen, was uns die Natur geschenkt hat.
Trotz aller Technik und bei allen modernen Möglichkeiten, die wir heute haben, sind wir ein Teil der Natur und von ihr abhängig. Das wurde uns heuer ganz besonders vor Augen geführt – in diesem Sommer ohne Regen. Die Natur zeigt uns den Rhythmus des Lebens, Wachsen und Aufblühen, Sterben und Vergehen. Sie zeigt uns aber auch: Vor dem Vergehen können wir ernten, können wir danken – Gott, der Natur und unserem Leben …
Aus: „Gott und die Welt“ von 6. Oktober auf Antenne.
Walter Drexler ist Theologe und teilt seine Gedanken regelmäßig in der Radiosendung „Gott und die Welt“ auf Antenne.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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