Positionen - Theresia Heimerl
Am Ende alles für die Katz?
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Der Heilige Geist, dessen Wirken an den Aposteln uns jährlich zu Pfingsten ein langes Frühsommerwochenende beschert, hat es in einer Welt der Bilder nicht leicht: Feuerzungen sind nicht nur abstrakt, sondern rufen in diesem Frühling der Waldbrände gemischte Assoziationen hervor. An den wenigen mittelalterlichen Darstellungen als (androgyne, junge) Person haben sich schon genügend feministische Theologinnen abgearbeitet.
Bleibt also die Taube. Bis heute schwebt ein weißes Exemplar dieser Vogelfamilie in so mancher Kirche durch eine Öffnung an der Kirchendecke hinab, begleitet vom andächtigen Gesang der Gemeinde: „Veni creator spiritus“. Doch auch diese Be-Geisterung ist unsicher: Einmal soll der Mesner durch besagte Öffnung in der Kirchendecke heruntergerufen haben: „Der (Heilige Geist, Anm.) kommt heut nimmer, den hat die Katzʼ gʼfressen!“
Genau darum geht es: Der Heilige Geist ist nicht zu fassen. Wer versucht, ihn in Bild, Schrift oder Gesetz zu sperren, erwischt nur einen weißen Vogel, wie die Katze. Der Geist bleibt ein göttlicher Anarchist – er weht, wann und wo er will. Manchmal weht er uns auch heftig um die Ohren!
Theresia Heimerl
redaktion@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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