Brasilien
Zustimmung sinkt

Bischof Erwin Kräutler, im Bild mit einer Ausgabe von Papst Franziskus’ Enzyklika „Laudato si’“ in den Händen, kämpft für die Rechte indigener Menschen in Brasilien. Präsident Bolsonaros wirtschaftliche Pläne gefährden deren Lebensraum.
  • Bischof Erwin Kräutler, im Bild mit einer Ausgabe von Papst Franziskus’ Enzyklika „Laudato si’“ in den Händen, kämpft für die Rechte indigener Menschen in Brasilien. Präsident Bolsonaros wirtschaftliche Pläne gefährden deren Lebensraum.
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Bischof Kräutler ruft zu Widerstand gegen Präsident Bolsonaros wirtschaftliche Pläne auf.

Der emeritierte Bischof von Altamira in Brasilien, der Vorarlberger Erwin Kräutler, beschreibt in einem Appell die dramatischen Folgen der von Präsident Jair Bolsonaro angestrebten Öffnung der indigenen Gebiete für eine wirtschaftliche Nutzung. Sie wäre nicht nur ein Dolchstoß ins Herz der dort lebenden Völker, sondern ganz besonders auch ein „weiterer folgenschwerer Angriff auf das Ökosystem Amazoniens mit Konsequenzen, die nicht an der Grenze Brasiliens Halt machen“, formuliert Kräutler. „Gott sei Dank lassen die Indios nicht locker und sind zu Hunderten in die Bundeshauptstadt gereist, um ihren Forderungen nach Einhaltung der Verfassungsartikel Nachdruck zu verleihen“, heißt es im Schreiben des Bischofs.

An der Seite der Indigenen kämpfen
In den 1980er Jahren habe die Kirche während der Verfassungsgebenden Versammlung zusammen mit den Vertretern der indigenen Völker die Verankerung ihrer Grundrechte im Verfassungstext verlangt und die Forderungen durchgesetzt.
„Ich war in dieser Zeit Vorsitzender des Rates für indigene Völker der Bischofskonferenz. Damals umarmten wir uns mit den Indigenen nach der Abstimmung am 30. August 1988, als das Kapitel über die indigenen Völker mit 437 Ja und nur 8 Nein und 8 Stimmenthaltungen verabschiedet wurde. Jetzt sind wir, wie 1988, wieder gefordert, zusammen mit den Indigenen um ihre Rechte zu kämpfen“, erinnert Kräutler.
Papst Franziskus habe mit Recht internationale Organisationen und Vereinigungen der Zivilgesellschaft anerkannt, „welche die Bevölkerungen sensibilisieren und kritisch mitwirken – auch unter Einsatz legitimer Druckmittel –, damit jede Regierung ihre eigene und nicht delegierbare Pflicht erfüllt, die Umwelt und die natürlichen Ressourcen ihres Landes zu bewahren, ohne sich an unehrliche lokale oder internationale Interessen zu verkaufen“ (Laudato si’ 38). In seiner Enzyklika verteidige Franziskus auch die indigenen Völker mit allem Nachdruck (Laudato si’ 146). Diese beiden Absätze sind laut Bischof Kräutler nicht zuletzt die Folge einer Privataudienz, die ihm der Papst 2014 gewährt habe.

Anklage wegen Genozid und Ökozid
Die brasilianische Rechtsanwaltskammer, die Bischofskonferenz und unzählige zivile und politische Organisationen melden sich wiederholt zu Wort. Der „Dachverband der Indigenen Völker APIB (Artikulation der indigenen Völker Brasiliens) plant in diesem Monat, den Präsidenten beim Internationalen Gerichtshof Den Haag des Genozids und Ökozids anzuklagen“, zeigt sich Kräutler zuversichtlich.
Angesichts von mehr als 500.000 Corona-Toten und mehreren Skandalen hat sich erstmals eine absolute Mehrheit für ein Amtsenthebungsverfahren von Präsident Bolsonaro ausgesprochen. Wie Medien berichteten, ergab eine Umfrage, dass 54 Prozent der Befragten für die Einleitung des Verfahrens sind. Derzeit erfährt der Präsident die niedrigsten Zustimmungsraten seit seinem Amtsantritt im Jänner 2019. Meinungsforschern zufolge hätte Bolsonaro bei den Wahlen im Oktober 2022 nach aktuellem Stimmungsbild in der Bevölkerung kaum eine Chance auf die Wiederwahl.

Kathpress

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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