Roma
Würde und Erinnerung

Romawallfahrt in Mariazell: Die jahrhundertealte Tradition wurde während der NS-Zeit unterbrochen und erst 1996, drei Jahre nach der Anerkennung der Roma als Volksgruppe in Österreich, fortgesetzt. Sie findet am zweiten August-Sonntag statt, heuer:  9. August, Messe um 10 Uhr. | Foto: Stojka
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  • Romawallfahrt in Mariazell: Die jahrhundertealte Tradition wurde während der NS-Zeit unterbrochen und erst 1996, drei Jahre nach der Anerkennung der Roma als Volksgruppe in Österreich, fortgesetzt. Sie findet am zweiten August-Sonntag statt, heuer: 9. August, Messe um 10 Uhr.
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Der 2. August ist der Nationale Roma-Gedenktag.

Es ist ein Dokumentarfilm, der erschüttert. In „Unter den Brettern hellgrünes Gras“ erzählt die Romni Ceija Stojka (1933–2013) vom Überleben in drei Konzentrationslagern. Die Frau mit der Tätowierung „z 6399“ am Unterarm spricht aus Sicht einer Elfjährigen vom KZ Bergen-Belsen – von Menschenleichen, die nicht beerdigt wurden, vom Dahinvegetieren ohne Wasser oder Brot und darüber, wie der Morgentau auf jungem Gras, das unter den Baracken spross, tropfenweise ihren Durst stillte.
Was die Österreicherin erlebte, widerfuhr auch hunderttausenden weiteren Angehörigen der Volksgruppe der Roma. „Roma“ bedeutet im Romanes, der traditionellen Sprache vieler Roma, nichts anderes als „Menschen“. Doch alles andere als menschlich sind viele Roma, Sinti oder Lovara durch Jahrhunderte hindurch behandelt worden.

Eine halbe Million. HistorikerInnen gehen davon aus, dass NationalsozialistInnen in Europa etwa 500.000 Roma und Sinti ermordeten. Wie Ceija Stojka wurden ab 1943 rund 22.700 Roma und Sinti aus Deutschland, Österreich und aus anderen von Hitler-Deutschland besetzten Ländern nach Auschwitz-Birkenau deportiert und im sogenannten „Zigeunerfamilienlager“ interniert. Nur rund ein Drittel der etwa 11.000 Roma und Sinti im Österreich der NS-Zeit überlebte diesen Völkermord, doch überlebt hat vielerorts auch Antiziganismus: Vorurteile, Diskriminierung und Ausgrenzung gegenüber Roma und Angehöriger anderer als „Zigeuner“ stigmatisierter Volksgruppen.

Ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte dieser Minderheit in Österreich war ihre Anerkennung als Volksgruppe 1993. Drei Jahre später wurde die 1938 verbotene Romawallfahrt nach Mariazell wiederbelebt und findet heuer zum 30. Mal in Folge statt (siehe Kasten). Für Manuela Horvath, Leiterin der Romapastoral der Diözese Eisenstadt, ist die Pilgerfahrt „ein Ereignis, das nicht nur das Gemeinschaftsgefühl innerhalb unserer Volksgrupe fördert, sondern auch das Miteinander mit der Mehrheitsbevölkerung und anderen Pilgerinnen und Pilgern, die an diesem Tag nach Mariazell wallfahren“.

Wachhalten. Um Zugehörigen zur Ethnie der Roma und ihre leidvolle Geschichte verstärkt ins Bewusstsein zu rufen, setzte auch die Regierung vor zwei Jahren einen klaren Schritt. Am 2. August 2024 beschloss das Parlament, jährlich am 2. August der im Nationalsozialismus ermordeten Roma zu gedenken. Auch, wenn das Geschehene dadurch nicht ungeschehen gemacht werden kann, so ist der Nationale Roma-Gedenktag doch ein wichtiges Signal. Romawallfahrt-Organisatorin Manuela Horvath spricht von einem „wichtigen Tag für Romnija und Roma“. Der 2. August hält das Gedenken wach – und auch die Würde.

Anna Maria Steiner

Romawallfahrt in Mariazell
Die jahrhundertealte Tradition wurde während der NS-Zeit unterbrochen und erst 1996, drei Jahre nach der Anerkennung der Roma als Volksgruppe in Österreich, fortgesetzt. Sie findet am zweiten August-Sonntag statt, heuer: 9. August, Messe um 10 Uhr.

Romawallfahrt in Mariazell: Die jahrhundertealte Tradition wurde während der NS-Zeit unterbrochen und erst 1996, drei Jahre nach der Anerkennung der Roma als Volksgruppe in Österreich, fortgesetzt. Sie findet am zweiten August-Sonntag statt, heuer:  9. August, Messe um 10 Uhr. | Foto: Stojka
Mariazell ist seit Jahrhunderten beliebter Wallfahrtsort von Roma und Sinti. Zwischen 40.000 und 80.000 Angehörige dieser Minderheit leben heute in Österreich. | Foto: Kathpress
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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