Vom Ich zum Du
- Mit dem Lehrgang Aufsuchende Seelsorge im Pflegeheim und Zuhause können sich Ehrenamtliche gut begleitet für ihren wichtigen Dienst am Nächsten weiter-
bilden. - Foto: Symbolbild/skynesher/iStock
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Lehrgang Aufsuchende Seelsorge. Ein Teilnehmer erzählt vom Zuhören-Lernen, Stille-Aushalten und von Aha-Erlebnissen.
Menschen gerne mögen“, antwortet Winfried Eberl, ohne lange zu überlegen, auf die Frage, was eine wichtige Voraussetzung für den ökumenischen Lehrgang Aufsuchende Seelsorge im Pflegeheim und Zuhause sei. Er selbst ist über einen Folder auf diese Ausbildung aufmerksam geworden: „Die Module haben mich angesprochen“, erinnert er sich. Vom seelsorglichen Gespräch über liturgisches Feiern bis hin zur Begleitung in Trauer- und Abschiedsprozessen erstreckt sich die Themenpalette.
Vorerfahrung im Bereich Besuchsdienste hatte Winfried Eberl keine. Jedoch hat er vor nicht allzu langer Zeit im familiären Umfeld jemanden beim Sterben mitbegleitet: „Das war einerseits ein sehr trauriger, aber auch ein sehr schöner Prozess.“ Inspiriert von dieser Erfahrung überlegte sich der 62-jährige Grazer im Hinblick darauf, beruflich „etwas leiser zu treten“, wie er seine Zeit so gestalten könnte, um „auch etwas zurückzugeben“. Es sollte „komplett anders“ sein, als das, was der im Verlagswesen Tätige beruflich macht.
Die Ausbildung ist in fünf Wochenend-Module mit anschließendem Praktikum gegliedert. Als sehr hilfreich empfand Eberl neben dem Einstiegsmodul Vom Ich zum Du mit Platz für persönliche Themen, „die mit dem eigenen Leben und Glauben zu tun haben“, auch die praktischen Übungen, in denen aktives Zuhören trainiert wird. Ein Aha-Erlebnis war das Eintauchen in die Welt älterer Menschen. Mit Hilfe von Bleiwesten oder speziellen Brillen konnten die Teilnehmenden gewisse Aspekte des Lebens Hochaltriger nachempfinden. „Das öffnet die Augen für die Bedürfnisse hochaltriger Menschen“, erfuhr Eberl.
Beim anschließenden Praktikum wurde Winfried Eberl von einer hauptamtlichen Seelsorgerin begleitet und absolvierte die ersten Besuche mit ihr gemeinsam. Bald haben sich dann drei bis vier Personen herauskristallisiert, die er seitdem alleine besucht. „Zwei Bewohnerinnen treffe ich meistens im Gemeinschaftsraum“, erzählt Eberl. Man kennt sich inzwischen und „sie freuen sich, wenn sie mich sehen.“ Auch eine Frau mit Demenz, die kaum spricht, besucht er: „Da lernt man die Stille auszuhalten und einfach da zu sein.“ Ganz anders ist das bei einem Mann, den er regelmäßig auf seinem Zimmer besucht: „Der freut sich immer so und sein Erzählfluss ist kaum zu stoppen – unter einer Stunde komme ich von ihm nicht weg“, erzählt er lachend.
Dass die Beziehungen, die er im Pflegewohnheim knüpft, ein absehbares Ablaufdatum haben, schreckt Winfried Eberl nicht ab. „Für mich gehört – so banal es klingt – das Sterben zum Leben dazu“, erklärt er. Was ihm dabei hilft? Das Erinnern an die schönen Dinge, dann „bleibt die Person präsent.“ Und der Glaube daran, dass „ja danach etwas kommt“.
Katharina Grager
◉ Sie interessieren sich für den Lehrgang Aufsuchende Seelsorge im Pflegeheim und zuhause?
Kontakt: Anita Freismuth-Jauschneg, 0676/8742 6411, phs-lehrgang@graz-seckau.at.
Anmeldeschluss: 11. Februar. Info-Abend: 28.1., 18–21 Uhr, Hartberg, Seniorenhaus Menda (Am Sonnenhang 1). Näheres: katholische-kirche-steiermark.at/aufsuchende-seelsorge
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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