Tatorte der Fastenzeit - Teil 03
Sinai – wo sich die 
Treue Gottes zeigt

 

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Der dritte Fastensonntag führt auf den Sinai oder Horeb, wo der Gott, der sich dem Mose im brennenden Dornbusch geoffenbart hatte, den Bund mit seinem Volk schließt. Im Zusammenhang damit stehen die Zehn Gebote, der Dekalog (Zehnwort).

„Da sagte Mose zu Gott: Gut, ich werde also zu den Israeliten kommen und ihnen sagen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt. Da werden sie mich fragen: Wie heißt er? Was soll ich ihnen darauf sagen? Da antwortete Gott dem Mose: ,Ich bin der Ich-bin-da.‘“ (Exodus 3,13f)

Diese auf die Gegenwart bezogene Selbst-
offenbarung Gottes durch einen Namen lässt sich in zwei Richtungen erweitern: in die Vergangenheit und in die Zukunft. Was nichts anderes heißt als: „Ich war immer da – von Anbeginn an“, und: „Ich werde immer da sein – bis ans Ende der Tage.“ Wie aber ist dieses „da sein“ denn anders zu interpretieren als: Für euch da sein, mit euch sein!

Der Name ist somit ein Programm, und dieses besteht in der Zusicherung Gottes, seinem auserwählten Volk in der Geschichte beizustehen … Obwohl dieser Gott für das Wohlergehen seines wandernden Volkes in der Wüste sorgt – und diese war für Nomaden nicht der Ort romantischer Gefühle, sondern eine Zone des Todes –, murrt Israel. Es begehrt auf, hadert und verfällt beim Tanz um das Goldene Kalb den raschen und vordergründigen Verlockungen. Israel wird damit zum Sinnbild für die meisten Gläubigen, die von Zweifeln befallen werden und die sich einmal näher, dann wieder entfernter wissen von ihrem Schöpfer. Unverrückbar treu bleibt hingegen aber Gott.

Im Brief an die Römer schreibt der Apostel Paulus (Röm 11,1f): „Gott hat sein Volk nicht verstoßen, das er einst erwählt hat.“ Wenn es dennoch einen weiteren Bund – jenen mit und durch Christus – gibt, dann ist dies so zu verstehen, dass Gott sich dem Menschen in seiner unendlichen Barmherzigkeit immer wieder als Partner anbietet. So, wie er dies einst schon im Bund mit Noach getan hat, so tut er es erneut mit Abraham und dann am Sinai und schließlich beim Letzten Abendmahl, wenn Jesus von dem „neuen Bund in meinem Blut“ spricht.

Aus: Wolfgang Sotill/Shimon Lev, 
Das Land der Bibel, Styria

 

Das Zehnwort (Dekalog) ist in der Bibel ein Teil des Bundesschlusses. Die Worte sind eingebettet in ein Beziehungsgeschehen. Der Bundesschluss ist Teil einer Befreiungsgeschichte. Der Dekalog konnte dem Volk nicht in Ägypten gegeben werden, denn die Worte richten sich nicht an Sklavinnen und Sklaven, sondern an freie Menschen. Der Dekalog wurde aber auch nicht dem Pharao gegeben. Der hätte die Zehn Worte sofort zu Geboten gemacht – mit sich selbst als von Gott autorisiertem Ausleger.

Der Dekalog setzt Freiheit voraus. Der Autor Rochus Zuurmond hat die Zehn Worte in dem einen Aufruf zusammengefasst: „Verdirb jetzt deine Freiheit nicht!“

Aus: Die siebzig Gesichter der Schrift, 
Lesejahr B, Paulus Verlag

 

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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