Kirche Steiemark
Religionen und Politik. Eine komplexe Beziehung
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Zu diesem hochbrisanten und hochaktuellen Thema versammelten sich von 20. bis 23. Juli rund 50 am interreligiösen Dialog Interessierte im südsteirischen Schloss Seggau. Sie folgten der Einladung des seit 2017 bestehenden universitären Dialogformats „Religiöse Diskurse in westlichen Demokratien – Initiative christlich-jüdische Studienwoche im Gespräch mit dem Islam“. Den Teilnehmenden, darunter Studierende aus Graz, Wien, Innsbruck, Münster und Ljubljana, entfaltete sich ein breites Spektrum an religionssoziologischen, juristischen, judaistischen, theologischen, islam- und medienwissenschaftlichen sowie religionspädagogischen Zugängen.
Vorbereitet und geleitet wurde die interdisziplinäre Dialoginitiative durch den Grazer Religionswissenschaftler Franz Winter, der für die Organisation hauptverantwortlich zeichnete, sowie die Alttestamentlerin Irmtraud Fischer, Graz, den Judaisten Gerhard Langer, Wien, die Professorin für interkulturelle Religionspädagogik Dina El Omari, Münster, und die Hochschulprofessorin Edith Petschnigg, PPH Augustinum, welche die Studienwoche zugleich als Fortbildungsveranstaltung für Religionslehrpersonen zugänglich machte. Die Initiative führt die im Jahr 2007 eingestellte „Österreichische Christlich-jüdische Bibelwoche“ unter Einbeziehung des Islam aktualisiert und im Zwei-Jahres-Rhythmus fort.
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Der Eröffnungsvortrag der Wiener Pastoraltheologin Regina Polak fragte nach den demokratiepolitischen Herausforderungen für Juden, Christen und Muslime in Österreich und stellte Ergebnisse der empirische Studie „Was glaubt Österreich?“ ins Zentrum. Workshops zu den Themen „Jüdisch-religiöse Wurzeln der israelischen Politik“ und „Geschlecht, Religion und Politik – am Beispiel Bosnien-Herzegowinas“, geleitet von Rabbiner Yuval Katz-Wilfing, Wien, bzw. der Genderforscherin Zilka Spahić Šiljak, Sarajevo, eröffneten exemplarisch akzentuierte Einblicke in komplexe Themenfelder. Anhand von ausgewählten Rechtsverfahren ging der Grazer Rechts- und Politikwissenschaftler Joseph Marko auf Religion und Politik in der Rechtsprechung der europäischen Höchstgerichte ein.
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Auf Rechtstraditionen in der Tora und deren Auslegung im Talmud bezog sich der Wiener Oberrabbiner Jaron Engelmayer. Der Judaist Gerhard Langer führte in die Legende des „wandernden“ bzw. „ewigen Juden“ und deren (zumeist) antisemitischen Rezeptionen bis hin zum Nationalsozialismus ein. Die Frage nach religiöser Symbolik in der Schule, insbesondere dem Kreuz im Klassenzimmer, stellte der Wiener evangelische Religionspädagoge Alfred Garcia Sobreira-Majer in den Mittelpunkt seines partizipativen Workshops.
Der Islamwissenschaftler Rüdiger Lohlker, Wien, akzentuierte Zusammenhänge von Islam und Herrschaft von der Gemeindeordnung von Medina bis in die Gegenwart. Der Jurist und Islamrechtler Ҫefli Ademi, Münster, stellte die Frage „Braucht Demokratie Religion?“, wobei er muslimische Ressourcen für eine ethische Streitkultur herausarbeitete. Der Verflechtung von Religion und Politik im Geschlechterdiskurs in Kroatien, insbesondere der Anti-Gender-Bewegung, ging die katholische feministische Theologin Sr. Rebeka Anić, Split, nach. Die Religionswissenschaftlerin und Soziologin Katharina Limacher, Wien, analysierte mediale Strategien christlich-rechter Akteure in Österreich, vor allem im Bereich der digitalen Medien und Kunst.
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Eine diskursive Plattform bot zum einen die Podiumsdiskussion „Fundamentalismen und politische Verflechtungen“, das unter der Moderation von Irmtraud Fischer Sr. Rebeka Anić, den Grazer Imam Fikret Fazlić und Willy Weisz, jüdischer Vizepräsident des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit, miteinander ins Gespräch brachte. Zum anderen stellte eine öffentlich zugängliche, gut besuchte Abendveranstaltung im GrazMuseum zum Thema „Israel und Palästina im Dialog“ einen Höhepunkt der Studienwoche dar. Die Deutsch-Palästinenserin Jouanna Hassoun und Shai Hoffmann, deutscher Jude mit israelischen Wurzeln, eröffneten unter der Moderation von Dina El Omari lebensgeschichtliche Einblicke in den Israel-Palästina-Konflikt und ihre gemeinsame schulische Bildungsarbeit in Deutschland.
Die Studienwoche bot den Teilnehmenden neben den Diskussionsmöglichkeiten im Zuge der Programmpunkte auch bei den gemeinsamen Mahlzeiten im Schloss Seggau und der Exkursion in das Islamische Kulturzentrum Graz sowie das GrazMuseum mit Besuch der Ausstellung „Demokratie, heast!“ Raum für interreligiöse Begegnungen und informellen Austausch. Eine Fortsetzung der Dialoginitiative ist für das Jahr 2028 geplant.
Edith Petschnigg
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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