Weltkirche
Provokant
- Wie eine weiße Arche gestaltete Le Corbusier vor 70 Jahrendie Wallfahrtskirche von Ronchamp in Frankreich.
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Le Corbusier: „Bin kein Baumeister von Kirchen.“
Kein Architekt auf dieser Welt war so radikal-provokant und doch gleichzeitig so faszinierend: Le Corbusier (1887-1965). Aus Beton schuf er neben abschreckend wirkenden Monsterbauten auch feingliedrige, dynamisch-elegante Villen. Er war quasi der Vater der modernen Architektur – wobei es ihm beim Bauen vor allem auf die Funktionalität ankam. Spektakulär sind auch Le Corbusiers wenige Kirchenbauten. Am bekanntesten ist die Wallfahrtskirche Notre Dame du Haut in Ronchamp (1952–1955) die heuer ihr 70-Jahr-Jubiläum begeht. Der Betonbau „Unsere liebe Frau in der Höhe“ mit dem Schalendach wurde zu einem Aushängeschild des Kirchenbaus der Nachkriegszeit. Eine weiße Arche hat Le Corbusier mit dieser Kirche quasi in die herrliche Landschaft von Ronchamp gestellt, kühn geschwungen, vor allem das Dach, wie geraffte Segel oder wie ein Krebspanzer, den er am Strand tatsächlich gefunden und der ihm anscheinend als architektonische Inspiration gedient hat. Ronchamp sei eine Antwort auf die Sehnsucht, „die man gelegentlich hat, über sich selbst hinauszuwachsen und den Kontakt mit dem Unbekannten zu suchen.“
Trotz seiner Kirchenbauten stellt sich die Frage, wie religiös Le Corbusier, der als Charles Edouard Jeanneret-Gris am 6. Oktober 1887 in La Chaux-de-Fonds zur Welt kam, tatsächlich war. „Ich bin kein Heide“, stellte Le Corbusier einmal klar. Die klassische Institution Kirche war für ihn im Zeitalter der urbanen Industriegesellschaft eher eine „tote Institution“. „Ich bin selbst kein Kirchgänger“, bekennt Le Corbusier unterm Strich. „Aber ich weiß, dass jeder Mensch das religiöse Bewusstsein hat, zu einer größeren Menschheit zu gehören.“
W. Holz/Kathpress (gekürzt)
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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