Demenz verändert Erinnerungen, und dennoch ist jeder Mensch einzigartig – mit Hoffnungen und Gefühlen. Demenz nimmt den Menschen keinesfalls ihre Würde – Mitgefühl, Respekt und vor allem ernstes Interesse erhalten die Bindung und helfen dabei, „Betroffene“ als das zu sehen, was sie trotz der Erkrankung auch weiterhin sind: eine Person in all ihren Dimensionen. Nützen Sie die Gelegenheit für Beratung und Information, für Austausch und Unterstützung am „Langen Tag der Demenz“
Auf der Website finden Sie das gesamte Programm in der Steiermark sowie Informationen über Geschichte, Profil und Anliegen des „Langen Tages der Demenz“.
Info-Telefon:
Netzwerk Demenz Steiermark
Tel. 0664 / 8845 5222
„Mensch sein – Mensch bleiben“ ist das Motto des diesjährigen „Langen Tages der Demenz“ in der Steiermark. Vom antiken Philosophen Diogenes wird die Episode überliefert, dass er einst am helllichten Tag mit einer brennenden Lampe über den vollen Marktplatz lief, um einen Menschen zu finden. Zu oft droht die Humanität auch heute im Trubel des Alltags unterzugehen.
Mit den nunmehr steiermarkweit zum dritten Mal stattfindenden Aktionstagen rund um den Weltalzheimertag am 21. September soll ein weithin sichtbares Zeichen für Mitmenschlichkeit, Respekt und Beteiligung gesetzt werden. Viele Veranstalter*innen haben sich auch 2025 akribisch und mit hohem Engagement auf den „Langen Tag“ vorbereitet, um gegen Tabuisierung und Stigmatisierung dieser Erkrankung zu wirken. Dafür möchte ich mich herzlich bedanken. Mit unserem Netzwerk Demenz Steiermark dürfen wir sie dabei unterstützen und begleiten.
Zugleich möchte ich Sie alle dazu einladen, sich bei einer der rund 50 Veranstaltungen in der Steiermark über Demenz zu informieren und sich untereinander auszutauschen, um mehr über diese Erkrankung zu erfahren, die das Leben einer immer größeren Anzahl von Betroffenen und ihrer Familien deutlich verändert. Demenz zu haben ist keine Schande, und es ist unsere gemeinsame Aufgabe, die Scham von dieser Krankheit zu nehmen.
Mit dieser Beilage im Sonntagsblatt möchten wir Sie über das heurige Programm informieren und wünschen Ihnen einen informativen und stärkenden „Langen Tag der Demenz.“
MMag. Dr. Christian Lagger, MBA
Obmann „Needs-Netzwerk Demenz Steiermark“, Geschäftsführer Krankenhaus der Elisabethinen GmbH
Seelsorge und der Lange Tag
Das Leben feiern – auch angesichts einer Demenzdiagnose. Demenz kann vieles nehmen – aber nicht das, was einen Menschen in seinem Innersten ausmacht. Ein Mensch mit Demenz ist viel mehr als ein „Betroffener“. Hinter jeder Person mit Demenz steckt ein Mensch mit einem ganzen Leben, einer ganz eigenen, individuellen und besonderen Geschichte. Entscheidend ist, nicht den Menschen hinter der Demenz zu vergessen, denn jeder bleibt ein fühlendes Wesen mit Würde und Persönlichkeit.
Ökumenische Gottesdienste mit allen Sinnen sind von Anfang an ein zentraler Bestandteil und vor allem auch sehr essenzielle Elemente des „Langen Tages der Demenz“. Seelsorgerinnen und Seelsorger in Familien, Spitälern oder Pflegeeinrichtungen begleiten Personen mit Demenz oft über einen langen Zeitraum und tragen im Wesentlichen dazu bei, die Bedürfnisse der Personen zum Zentrum des „Langen Tages“ zu machen.
Geborgenheit, Freude, Lachen und das Gefühl von einem warmen Zuhause sind Grundbedürfnisse – für alle Menschen – und wichtig für ein erfülltes, glückliches Leben. In den Gottesdiensten wird aufgrund dessen gemeinsam gefeiert und achtsam auf die Wünsche der Teilnehmenden eingegangen – so auch wieder beim diesjährigen „Langen Tag der Demenz“.
„Mit allen Sinnen. Das Leben feiern“ – das ökumenische Praxishandbuch für Gottesdienste mit Menschen mit Demenz und allen, die solidarisch mitfeiern wollen, kann bezogen werden unter: seelsorge.gesellschaft@graz-seckau.at
Demenz braucht ein starkes, unterstützendes Netzwerk – als Unterstützung für Erkrankte und Angehörige, entlang des Krankheitsverlaufes.
In der Steiermark leben derzeit etwa 21.500 Menschen mit Demenz. Bis ins Jahr 2050, wird prognostiziert, wird diese Zahl auf etwa 35.200 Personen steigen. Das sind ganze 62%. Diese Entwicklung stellt sowohl Gesellschafts- als auch Versorgungssysteme vor große Herausforderungen, insbesondere durch mangelnde Unterstützung älterer Personen aufgrund fehlender Angehöriger. Demenz betrifft den unmittelbaren Lebensraum des Menschen sowie den seiner Familienmitglieder. Jeder Mensch ist einzigartig – gleichzeitig stehen Angehörige vor großen Herausforderungen. Aufgrund dessen ist die Aufgabe eines regionalen Netzwerks, individuelle Bedürfnisse vor Ort wahrzunehmen und gemeinsam eine passende Lösung zu entwickeln. Die Mitglieder gehören unterschiedlichen Professionen an. Durch Wissen und praxisnahe Erfahrung ermöglichen sie unterschiedliche Sichtweisen und Möglichkeiten potenzieller Hilfestellungen.
Martina Kirbisser, Leiterin der Lebenslinien Demenzberatung im Pflegeverband Liezen, betont: „Netzwerkarbeit macht vieles aus, aber vor allem gegenseitige Wertschätzung. Alle Entlastungsangebote in der Begleitung und Unterstützung, von Personen mit Demenz und An- und Zugehörigen, sind gleich wichtig, wenn auch die Angebote sich unterscheiden. Ja, oft braucht es fachliche Kenntnisse, um etwas Licht in das Dunkel zu bringen, doch was zählt, ist die Begegnung von Mensch zu Mensch. Dies gilt für mich in den Netzwerken mit Kolleg*innen gleich wie in den Netzwerken und im Zusammensein mit Menschen mit Gedächtnisstörungen, Demenz oder deren Angehörigen und Zugehörigen. Und was vereinfacht Netzwerkarbeit? Bitte bleiben oder werden wir unkomplizierter miteinander!“
Mensch sein – Mensch bleiben
Unter diesem Leitwort findet heuer der „Lange Tag“ an rund 20 Standorten in der Steiermark statt.
Das diesjährige Motto „Mensch sein – Mensch bleiben“ haben wir in Anlehnung an die Formulierung der Deutschen Alzheimer Gesellschaft gewählt. Es soll zum Ausdruck bringen, dass Menschen mit Demenz kein*e „Besitzer*innen von Befunden“ sind, die auf die Krankheit reduziert werden dürfen. Es sind Personen wie du und ich, die eine bestimmte Erkrankung haben. Das ist keine banale Einsicht.
Heuer habe ich an einer Veranstaltung teilgenommen, bei der – zu Recht – über das Thema einer professionellen Aus- und Weiterbildung für den Umgang mit Demenz gesprochen wurde. Dabei wurde auch das Thema „Personenzentrierte Kommunikation“ angesprochen. Ich habe dann im Gespräch formuliert, dass es befremdlich ist, dass wir eine Weiterbildung brauchen, um auf die Gefühle unserer Mitmenschen zu achten.
Jede*r möchte in seinem Leben mit seinen Bedürfnissen verstanden werden. Warum arbeiten wir dann nicht so? Wie ich einen Menschen sehe und in welcher Haltung ich ihm begegne, beeinflusst wesentlich mein Verhalten und dadurch unsere Beziehung. Das gilt auch für unsere Gesellschaft und für unseren Umgang miteinander.
Die Intensivtage umfassen wieder Vorträge, Gesprächs- und Beratungsmöglichkeiten, Info-Stände, Kinovorstellungen, demenzsensible Gottesdienste u. v. m. Die Inhalte des Programms werden in den verschiedenen Regionen eigenständig entwickelt und durchgeführt, ganz nach den Bedürfnissen vor Ort. Es ist wichtig, über Demenz zu sprechen, um Angst, Scham und Tabu von der Krankheit zu nehmen. Niemand braucht sich zu schämen, weder für Unwissen, noch für Fehler, noch für Überforderung.
Und es ist wichtig, gemeinsam nach Lösungen zu suchen, die helfen, die Lebensqualität für Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen zu verbessern, und ihre Versorgung bedürfnisorientiert zu stärken. Im Markus-Evangelium heißt es: „Der Sabbat ist für den Menschen da, nicht der Mensch für den Sabbat.“ Gleiches gilt – mutatis mutandis – für die Versorgungskette bei Demenz. Die qualitativ hochwertigste Versorgungskette ist nicht nachhaltig wirksam, wenn sie nicht in der Haltung gelebt wird, Menschen wirklich helfen zu wollen – auch und gerade dann, wenn Innovation, Kreativität und Bedürfnisorientierung gefragt sind.
Mit den Aktionstagen rund um den Weltalzheimertag am 21. September soll daher auch heuer wieder steiermarkweit bewusst gemacht werden, dass Menschen mit Demenz und ihren An- und Zugehörigen ein Platz mitten in unserer Gesellschaft gebührt; dass sie ihre Personalität auch dann nicht verlieren, wenn sie bestimmte Fähigkeiten nicht mehr haben. Schirmherr des „Langen Tages der Demenz“ in der Steiermark ist Landesrat Karlheinz Kornhäusl. Der „Lange Tag“, der in Graz von „Vergissdeinnicht – Netzwerk Demenzhilfe“ 2018 entwickelt wurde, richtet sich gleichermaßen an Betroffene und Angehörige, Professionist*innen und die Öffentlichkeit.
Peter Rosegger
Geschäftsführer Netzwerk Demenz Steiermark
Steirischer Demenz-Wegweiser
Informationen zu Hilfe und Anlaufstellen finden Sie unter: wegweiser-demenz-steiermark.at
Gedruckte regionale Ausgaben liegen von Vergissdeinnicht – Netzwerk Demenzhilfe für Graz und von Netzwerk Demenz Steiermark für Leibnitz, Voitsberg, Weiz und Liezen auf.
Herzlichen Dank unserem Schirmherrn Landesrat Dr. Karlheinz Kornhäusl und allen Unterstützer/innen, die zum Gelingen des „Langen Tages der Demenz“ in der Steiermark beitragen.
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