Deutschland
Kein Manöver

Guter Austausch trotz Ärger bei der zweiten Vollversammlung des Synodalen Weges.

Mit dem Ruf nach Reformen in der katholischen Kirche ist die zweite Vollversammlung des deutschen Dialogprojekts „Synodaler Weg“ am 2. Oktober in Frankfurt zu Ende gegangen. Weil viele der 212 Teilnehmer vorzeitig abreisten, unterschritt das Gremium das notwendige Quorum von 154 und war zuletzt nicht mehr beschlussfähig. Das dreitägige Treffen wurde deswegen früher als geplant beendet. Anfang Februar kommenden Jahres soll die dritte Synodalversammlung in Frankfurt stattfinden – dann ist nach Ansicht von Beobachtern mit ersten verbindlichen Beschlüssen zu rechnen. In Überlegung ist, den ursprünglich auf zwei Jahre angesetzten Dialogprozess noch bis 2023 weiterlaufen zu lassen.

Wunsch nach Veränderung
Trotz des vorzeitigen Endes der Versammlung zog das Präsidium eine positive Bilanz. Man habe sehr diszipliniert gearbeitet und viel erreicht, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing. Es sei ein „unglaubliches Konvolut“ von Papieren beraten worden. „Kein Text wurde abgelehnt, alle erhielten eine hohe Akzeptanz.“ Das Treffen sei unter hoher emotionaler Anspannung vieler Synodaler und vieler Bischöfe gestanden, und es habe „sehr guten, sachorientierten Austausch“ gegeben. Zugleich räumte Bätzing ein, dass die Versammlung nicht das komplette vorgesehene Pensum geschafft habe. Über das abrupte Ende äußerte er deutlichen Unmut.

Ähnlich wie der Bischofskonferenz-Vorsitzende äußerte sich der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. 13 von 16 Texten seien bearbeitet worden, mit Zustimmungsraten zwischen 76 und 92 Prozent. Das belege den Wunsch nach Veränderungen in der Kirche. Gestartet sei die Versammlung jedoch mit „Wut und Ärger“ vieler Teilnehmer über die jüngsten Papst-Entscheidungen, die Diözesanleitungen in Köln und Hamburg im Amt zu belassen. Dennoch sei das Gremium in der Lage gewesen, ganz unterschiedliche Positionen zu hören und zu diskutieren und „fair“ miteinander zu debattieren. „Der gute Geist von Frankfurt war wieder da“, so Sternberg mit Blick auf die erste Synodalversammlung vor eineinhalb Jahren.

Mehr Mitsprache für Laien
Zu den behandelten Themen gehörte die Förderung von Frauen in der wissenschaftlichen Theologie sowie rechtliche Standards bei der Aufarbeitung von Missbrauch. Außerdem sprach sich die Synodalversammlung für eine Laienmitwirkung bei Bischofswahlen aus. Die Idee zur Schaffung eines dauerhaften „Synodalen Rats“ erhielt eine Mehrheit. Rund vier Fünftel der Teilnehmenden hatten für radikale Änderungen in der katholischen Sexuallehre und beim Umgang mit Macht in der Kirche gestimmt. Machtstrukturen sollten neu geordnet werden, etwa durch Gewaltenteilung auf allen Ebenen, mehr Mitsprache der Basis bei der Berufung von Amtsträgern und eine Zulassung von Frauen zu Weiheämtern, bei welcher die Zustimmung besonders groß war. Ämter dürften nur auf Zeit vergeben werden. Das alles sei „kein Manöver zeitgeistiger Anpassung“, sondern Folge des Missbrauchsskandals, hieß es.

KATHPRESS

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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