Hilfe muss erlaubt sein

Andauernde Regenfälle und Temperaturen um die null Grad verschärfen die menschenunwürdigen Zustände in den provisorischen Zeltlagern auf Lesbos. Die Appelle an die Regierung, geflüchtete Menschen zu evakuieren, werden lauter.
  • Andauernde Regenfälle und Temperaturen um die null Grad verschärfen die menschenunwürdigen Zustände in den provisorischen Zeltlagern auf Lesbos. Die Appelle an die Regierung, geflüchtete Menschen zu evakuieren, werden lauter.
  • Foto: Moria White Helmets
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Evakuieren jetzt! So lautet der Ruf angesichts der menschen-unwürdigen Zustände auf Lesbos.

Es geht darum, Menschen aus der Notsituation von Lesbos aufzunehmen, nicht um die Frage, ob Österreich mehr oder weniger Flüchtlinge aufzunehmen hat“, erklärt der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler, der sich im Dezember selbst ein Bild von der Lage auf Lesbos gemacht hat, in seinem dringenden Appell (siehe Spalte). Denn ein humanitärer Notfall verlange nach einer Notmaßnahme und nicht nach einer ermüdenden Flüchtlingsdebatte, so Glettler. Er betont, dass ihm die Meinungsbildung anhand drastischer Katastrophenbilder grundsätzlich missfalle, „dennoch brauchen wir sie, um uns aus der Gleichgültigkeit aufzuwecken“.

Erich Hohl, Integrationsbeauftragter der Diözese Graz-Seckau, sieht die „albtraumhaften Zustände in den Flüchtlingslagern“ als hinlänglich bekannt und dokumentiert und wendet sich mit deutlichen Worten an die österreichische Regierung: „Der einzige Weg bzw. der „Game-Changer“ – um eine Diktion des Herrn Bundeskanzlers zu verwenden – ist die sofortige Evakuierung der Flüchtlinge. Herr Bundeskanzler, bitte geben Sie ihre Blockadehaltung auf“, so Hohl.

Den Worten Taten folgen lassen
Die Katholische Kirche Steiermark und die Caritas könnten in Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden innerhalb weniger Tage Quartierplätze für Flüchtlingsfamilien zur Verfügung stellen und eine qualitätsvolle Betreuung gewährleisten, informiert Erich Hohl. In die gleiche Kerbe schlägt die Solidarregion Weiz mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit, wer bereit wäre, als Privatperson, Organisation oder Gemeinde Quartiere zur Verfügung zu stellen und bei der Betreuung zu helfen. Innerhalb von vier Tagen haben sich 111 UnterstützerInnen gemeldet. Fünf Wohnungen stünden bereit. Die Familien können morgen kommen, so die Steuerungsgruppe der Solidarregion in ihrem offenen Brief mit dem Titel „Hindern Sie uns nicht am Helfen!“ an Bundeskanzler Kurz.
Auch die Katholische ArbeitnehmerInnenbewegung Österreich unterstützt den dringenden Appell von Bischof Glettler: „Unterlassene Hilfeleistung ist in anderen Kontexten sogar ein Strafdelikt. Österreich muss Menschen aus den Elendslagern aufnehmen! Jedes weitere Zuwarten ist unerträglich und eine Schande für uns selbst, für Österreich, für ganz Europa!“

Ökumenische Einigkeit
Im Ökumenischen Forum christlicher Kirchen in der Steiermark ist man sich einig, „dass wir gegenüber den Menschen, die ein Desaster überlebt haben (Moria) und jetzt das nächste Desaster erleiden müssen (Kara Tepe), dringend Handlungsbedarf haben“. Und zwar nicht nur vor Ort, sondern auch hier in Österreich, fügt Christian Leibnitz, Vorsitzender des Ökumenischen Forums, hinzu. „So wie Sie immer wieder für einen gemeinsamen Schulterschluss in der Corona-Krise gebeten haben, bitten wir jetzt um einen Schulterschluss mit uns“, wendet sich das Ökumenische Forum mit der Bitte, Flüchtlinge aufnehmen zu dürfen, direkt an den Bundeskanzler. Leibnitz ist sich sicher: „Wir werden das schaffen. Aber geben Sie uns die Gelegenheit dazu.“

Katharina Grager

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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