Jubiläum
Geist voll Leben
- Als gastfreundlicher Ort gilt das gesamte Stiftsareal, Mittelpunkt für den Seelsorgeraum und geistliche Kraftquelle für viele Menschen aus nah und fern. Mit seiner Gründung war der Auftrag verbunden, in der Region den Glauben zu verkündigen, den Menschen Bildung und Kultur zu vermitteln und ein gesichertes Leben zu ermöglichen.
- Foto: Stift St. Lambrecht
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950 Jahre Benediktinerstift St. Lambrecht. Ein Blick auf eine wechselvolle Geschichte und in eine hoffnungsvolle Zukunft.
Klöster gelten seit jeher als Wirtschaftsfaktoren, Orte der Glaubensvermittlung und der zwischenmenschlichen Begegnung. Und wie so manches Stift, hat auch St. Lambrecht „klein“ begonnen.
Die „Kirche des heiligen Lambert“ bestand bereits, als Markgraf Markward von Eppenstein den Entschluss fasste, im Hochtal westlich des Neumarkter Sattels ein Kloster zu gründen. Nachdem er am 16. Juni des Jahres 1076 verstarb, lag es an seinem Sohn, Herzog Heinrich III. von Kärnten, die begonnene Klostergründung zu vollenden und mit einer Stiftung auszustatten. Diese fiel mit Schenkungen im oberen Murtal, im Gebiet von Aflenz und Mariazell und in der Weststeiermark rund um Piber sehr großzügig aus – wohl auch deshalb, weil Heinrich der letzte Eppensteiner war und die einst mächtige Dynastie nach ihm erlosch.
Mit der Gründung und Stiftung war von Anfang an der Auftrag verbunden, in diesen Gebieten den Glauben zu verkündigen, den Menschen Bildung und Kultur zu vermitteln und ein gesichertes Leben zu ermöglichen. Bleibende Marksteine aus den ersten Jahrhunderten sind die Gründung von Mariazell im Jahr 1157 und davor schon die Besiedelung des Klosters Altenburg im Waldviertel im Jahr 1144.
- Die Strahlenkranz-Madonna von 1425 im Stiftsmuseum St. Lambrecht gilt als Zentralwerk der steirischen Gotik.
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Blüte und große Einschnitte. Zur besonderen Blüte gelangte das Kloster im 15. sowie im 17. Jahrhundert – und das in geistlicher, als auch in wirtschaftlicher sowie in baulicher Hinsicht. Die gotische Stiftskirche und das barocke Klostergebäude von St. Lambrecht sind eindrucksvolle Zeichen dafür. Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts wuchs der Konvent auf 120 Mitglieder an – eine davor noch nie und danach bis dato nie mehr erreichte Zahl.
Eine erste große Zäsur im klösterlichen Leben und Wirken brachte die Aufhebung des Klosters durch Kaiser Joseph II. am Beginn des Jahres 1786 mit sich. Allerdings war der Zusammenhalt der Mitbrüder so groß, dass es im Jahr 1802 gelang, bei Kaiser Franz II. die Wiedererrichtung des Klosters zu erreichen.
Einen zweiten schweren Einschnitt brachte das Nationalsozialistische Regime mit sich. Schon im Frühjahr 1938 erfolgte die Beschlagnahmung des Stiftes, und das klösterliche Leben kam zum Erliegen. Erst am Lamberti-Sonntag 1946 konnte die Gemeinschaft der Benediktiner wieder in ihr Kloster zurückkehren. Ein Festgottesdienst erinnert seitdem jährlich daran.
Durch alle Höhen und Tiefen der Geschichte war sich die Mönchsgemeinschaft stets des Auftrags bewusst, der von der Gründung herkam und hat versucht, ihn nach Kräften zu verwirklichen. Heute bilden elf Mönche die Klostergemeinschaft, die seit 2025 unter Leitung von Abt Alfred Eichmann steht.
Gemeinsam mit vielen haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen wird das Kloster als geistlicher Ort lebendig gehalten, in dem Einkehr und Innehalten möglich ist. Mariazell als zweites geistliches Zentrum hat nach wie vor große Strahlkraft weit über die Grenzen der Steiermark und Österreichs hinaus. Durch die beiden Seelsorgeräume St. Lambrecht und Mariazell sind die Mönche tief mit den Menschen rund um das Kloster verbunden.
Veranstaltungen 2026
Größere und kleinere Veranstaltungen ziehen sich durch das Jubiläumsjahr:
Der Jahresschlussgottesdienst 2025 bildete den Auftakt des Jubiläumsjahres, in dem auf unterschiedliche Weise der Geschichte gedacht, die Gegenwart gefeiert und in die Zukunft geblickt wird.
Monatlich referieren die Mönche in der Serie „Geschichte(n) erzählen“ über verschiedenen Themen des klösterlichen Lebens. Am 15. Juli etwa wird P. Christoph über die Orgeln des Stiftes einst und jetzt sprechen.
„Der Name der Rose“: Die Inszenierung des weltberühmten Romans von Umberto Eco als Theaterstück zog im Juni bereits an die 1000 BesucherInnen an, sodass am 1., 2. und 3. Oktober drei weitere Vorstellungen anberaumt wurden.
Tickets: wandelbühne.at
- Festgottesdienst in der Stiftskirche am 16. Juni, dem 950. Todestag des Gründers.
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Festliche Gottesdienste zu den St. Lambrechter Feiertagen bilden einen geistlichen Reigen: Den Benediktus-Sonntag (12. 7.) wird der Kärntner Bischof Josef Marketz mit uns feiern, am Lamberti-Sonntag (20. 9.) ist der Salzburger Weihbischof Hansjörg Hofer zu Gast, zu Kirchweih (18. 10.) der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl und am 8. Dezember der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder.
Ein buntes Musikprogramm durchzieht besonders die Sommermonate: Der Reigen beginnt am 11. Juli mit einem großen Chor-Orchester-Konzert, bei dem die Komposition „Benedictus“ von Hans Schamberger und Otto Strohmaier aus dem Jahr 1980 wieder aufgeführt wird. Mendelssohns „Lobgesang“ kommt als Abschluss einer großen Chorwoche am 24. Juli zur Aufführung. Am 16. August werden Orgel, Pauken und Trompeten für „Pomp and Pipes“ sorgen. Die 60. Steirische Werkwoche für Kirchenmusik gibt am 4. September ihr Abschlusskonzert.
Das Projekt Domenico steuert zum Jubiläum die schon traditionelle Lange Nacht im Stiftsgarten (14. 8.) bei und am 27. September eine Kulinarische Matinee im Pavillon mit Michael Lohr und dem Duo Rektengold.
Und von 15. bis 17. Oktober beschäftigt sich ein theologisches Symposium mit einer „Pastoral des Daseins“, namhafte ReferentInnen werden Impulse aus dem benediktinischen Dreiklang „ora et labora et lege“ geben. Herzliche Einladung ins Stift St. Lambrecht!
P. Gerwig Romirer
Museum im Kloster
- Schatzkammer des Glaubens. Das neue großflächige 3D-Modell der gesamten Klosteranlage ist eines der Highlights des Museums.
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Gott, Mensch, Heilige
„Was ist der Mensch?“ Diese uralte und zugleich stets aktuelle Frage rückt die Neuinszenierung des Stiftsmuseums in den Mittelpunkt. Nach diesem spirituell-geistlichen Leitfaden erfolgte die Aufstellung der jahrhundertealten Sammlungsbestände, die ein lebendiges Zeugnis für das Verständnis des Glaubens, des Lebens und der Welt der Benediktinermönche geben, die seit 950 Jahre in St. Lambrecht leben.
Mit der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, die durch zahlreiche Kunstwerke im ersten Saal Ausdruck findet, rückt die Würde jedes Menschen ins Blickfeld. Viele Kunstwerke zu Passion und Tod Jesu zeigen den Umgang mit Leiden und Sterben, die zu den großen Herausforderungen der Menschheit gehören. Konkrete Frömmigkeitsformen und die Fülle der Heiligen, die als Vorbild für ein gelingendes Glaubensleben verehrt und in unterschiedlichen Anliegen als Fürsprecher angerufen wurden, sind in weiteren Sälen ausgestellt.
Eine „St. Lambrechter Schatzkammer des Glaubens“ zeigt in eindrucksvoller Präsentation wichtige Heilige, denen kostbare Kunstwerke aus der bald 1000-jährigen Klostergeschichte gewidmet sind, darunter die „Votivtafel von St. Lambrecht“ und die „Strahlenkranzmadonna“, die nach 90 Jahren der Leihgabe wieder aus der Alten Galerie des Joanneums in Graz in ihre Heimat zurückgekommen sind (kleines Bild rechts).
Eine Begleitausstellung im Fischkalter des Museumshofes zeigt unter dem Titel „human being – being human“ Werke des Kreativzweigs des BORG Murau.
Museumsführungen
15. Mai bis 15. Oktober: Mo bis Sa,
10 Uhr und 14.30 Uhr. Sonn- und Feiertag: nach der Messe um 14.30 Uhr und nach Vereinbarung:
Tel. 03585/2305 29
klosterpforte@stift-stlambrecht.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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